Ernest Nyborg: Lena Halberg - Paris '97:

verfasst am 08.07.2015 von | 2 Kommentare
Rubriken: Nybørg, Ernest, Thriller

Ich oute mich jetzt: ich bin ein Fan dieser Verschwörungsthriller, bei denen hinter einer wahren Begebenheit ein ganzes Netzwerk an Intrigen und Bösewichten auftaucht und bei denen nicht weniger als die ganze Welt bedroht wird.

Davon ausgehend hört sich ein Thriller, dessen Ausgangpunkt der Tod von Lady Diana in Paris im Jahr 1997 ist, doch sehr gut an!

Wie wir alle wissen, wurde der Wagen von Lady Di in dieser Nacht von einer ganzen Meute von Paparazzi verfolgt, sei es in Autos oder auf Motorrädern. Nichts leichter also für einen Thrillerautor, zwei zusätzliche Autos dort ins Geschehen zu platzieren: in einem sitzt der Fotograf Franco, im anderen lassen sich undeutlich zwei unbekannte Männer erkennen. Die zwei Männer verschwinden spurlos, der Fotograf wird kurz darauf tot an einem weit entfernten Ort gefunden.

In der Gegenwart ist es die Journalistin Lena Halberg, die überraschend neues Material zum Tod des Fotografen in Händen hält. Damals war sie mit ihm liiert, die ungeklärten Umstände seines Todes ließen sie niemals dieses Kapitel ihres Lebens abschließen.

Was folgt ist die schrittweise Enthüllung einer Verschwörung, hinter der eine machthungrige Rüstungsindustrie und korrupte Politker stehen; eine Verschwörung, vor deren tödlicher Konsequenz niemand sicher ist; auch Lena Halberg nicht.

Der Thriller bedient sich so ziemlich aller Werkzeuge und Routinen, mit denen die Thriller der letzten Jahrzehnte zusammengebaut wurden; leider aber eben nur schon bekannte, keine neuen. Nach einem zum Weiterlesen animierenden Beginn wird es sowohl etwas langweilig als auch vorhersehbar (oder umgekehrt). Selbst die Formulierungen und die Wortwahl erinnerten mich an die Hälfte der Thriller, die bei mir im Bücherregal stehen.

Womit ich zu meiner Leidenschaft für Thriller mit Realitätsbezug zurück komme: Dianas Unfall ist zwar der Aufhänger … aber auch nicht mehr. Die Handlung findet dann keinen relevanten Bezug mehr dazu und insoferne würde sich der Inhalt des Buches überhaupt nicht ändern, ließe man Lady Diana einfach weg.

Ganz netter Lesestoff für den Strand, den Pool oder die Zugfahrt/den Flug dorthin.



RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag 2 Kommentare


  • Kommentar von  Saskia am 12.07.2015 um 11:10 Uhr Uhr

    Der Autor hat einen fesselnden Politthriller geschrieben. Das Buch lässt sich gut lesen und hat mich schnell in seinen Bann gezogen.

    Die Protagonisten sind ausführlich charakterisiert. Dabei wird ihre Persönlichkeit nicht nur durch Worte, sondern vor allem durch ihre Handlungen gekennzeichnet. Lena nimmt ihren Beruf ernst. Sie scheut kein persönliches Risiko. Sie lässt sich ihr Engagement auch nicht von Jan ausreden. Jan ist ihr Vorgesetzter und ihr momentaner Lebensgefährte. Seinen Biss als Journalist hat er aber längst verloren. Angepasstheit und Ängstlichkeit kennzeichnen sein Wesen. Das verstärkt sich, als sich herausstellt, dass sein Chef in die Fälle verstrickt ist.

    Die spannende und abwechslungsreiche Handlung ist aber nur eine Seite des Romans. Auf geschickte Weise gelingt es dem Autor, aktuelle politische Probleme in die Handlung zu integrieren. Bestechliche Politiker, Geheimdienstleute, die eigene Wege gehen, und verbotene Geschäfte der Waffenlobby sind dabei nur die Kernpunkte. Der aufmerksame Leser wird viele Sätze finden, die ihm selbst in ähnlicher Weise schon durch den Kopf gegangen sind, wenn es um die politischen und wirtschaftlichen Tagesgeschäfte geht. Obiges Zitat bringt es auf den Punkt. Die Wahrheit wird zurechtgebogen. Menschen sind nur Spielfiguren auf dem Schachbrett der Weltpolitik. Wer stört, muss weg. Was in Europa und den USA nicht möglich ist, wird in andere Teile der Welt ausgelagert.

    Der Sprachstil des Buches lässt sich angenehm lesen. Glasklare Analysen der Situation, aussagekräftige Dialoge und rasante Handlungsabschnitte wechseln sich ab. Ab und an schwingt eine Spur von bitteren Sarkasmus mit. Wie Worte manipulieren können, wird sprachlich ausgezeichnet wiedergegeben.

    Die Geschichte ist logisch geschickt aufgebaut. Ich als Leser weiß immer eine Kleinigkeit mehr als Lena. Sie darf dann Puzzle für Puzzle das Geschehen entwirren. Im Spannungsfeld zwischen ihren Ermittlungen und den Reaktionen ihrer Gegner entwickelt sich nach und nach ein Gesamtbild der Handlung.

    Das Buch hat mir ausgezeichnet gefallen. Es ist beängstigend, dass die Romanhandlung punktuell nur einen Wimpernschlag von der Realität entfernt ist. Für politisch interessierte Leser bleiben nach dem Lesen viele Fragen. Das hat nichts mit dem eigentlichen Handlung des Buches zu tun. Dort wird das Geschehen konsequent und vollständig zu Ende geführt. Die Fragen ergeben sich aus den angesprochenen politischen Problemen und deren möglichen Folgen. Ich mag Bücher, die mich zum Nachdenken zwingen!

  • Kommentar von  Karin am 11.07.2015 um 20:17 Uhr Uhr

    Also ich habe den Eindruck, dass Sie das Buch nicht wirklich oder besser gesagt vielleicht unaufmerksam gelesen haben. Einiges was Sie schreiben ist so nicht korrekt. Ich kann mich nur den vielen anderen Lesern und Rezensienten anschließen: spannend, toll verzahnte Handlungsstränge, sprachlich ansprechend, sympathische Hauptprotagonistin, sehr gut beschriebene Figuren und man kann es nur schwer weglegen.
    Finde es schade, dass Sie es so verreißen.

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