Peter Rosei: Die Globalisten

verfasst am 05.10.2014 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Romane, Rosei, Peter

Der Schweizer Geschäftemacher Adolphe Weill weiß sich die Welt für seine Import- und Exportdeals sehr zunutze zu machen. Allerdings sind seine Geschäfte eher dubios. Im Café Imperial diskutiert er mit Blaschky angeregt über die Vorteile von Geld. Von jeder Menge Geld! Denn Geld – das vermehrt sich ganz von selbst – zieht man an den „richtigen“ Fäden.

Erwartet die Leserinnen und Leser nun ein kritisches Werk über das globale, dreckige Finanzgeschäft? Peter Roseis Buch ist eine Satire, eine Gaunergeschichte, die sich geografisch weit verzweigt. Das Netzwerk der globalen Geschäftemacher spannt sich über halb Europa.

Finanziers, Geldvermehrer oder Spekulanten – ihre Deals tätigen sie an ganz unterschiedlichen glamourösen Orten. Hotel Imperial in Wien. Hotel Astoria in St. Petersburg. Eine Bank in Budapest.

Geschäfte lassen sich allerdings auch in kleineren Kosmen abschließen.

Und genau das versuchen Weill und Wallauschek. Beide sind nach einem dummen Unfall in einem Krankenhaus zwangsstationiert. Der geldgierige Weill und der TV-Produzent Wallauschek sitzen in trauter Zweisamkeit im Buffet des Spitals.

Wallauschek, Filmproduzent und Entwickler von TV-Formaten, habe ein großes Projekt am Köcheln. Weill will dessen Geheimnis gelüftet wissen. Wallauschek versucht ein Großprojekt aus dem Boden zu stampfen und will dabei das gesamte österreichische Kulturpotenzial einbinden. Nicht dass ihm die österreichische Kultur an sich so wichtig wäre. Er will mittels Fremdfinanzierung eine Goldader anzapfen, denn hätte sich diese mal aufgetan, dann rollt quasi der Rubel von selbst. Nur mehr die Hand aufhalten, Tantiemen einschneiden, ein geniales Projekt.

Die beiden spinnen die Fäden für ein außergewöhnliches Kunstprojekt. Bald komplettiert der Schriftsteller Josef Maria Wassertheurer aus Ottakring die illustre Runde und der TV-Produktion steht nichts mehr im Weg. Letztendlich bekommt er niemand das, wonach er strebt – schade und schön gleichzeitig!

Rosei beschreibt sein Buch “Die Globalisten” als bissige Satire auf den gegenwärtigen Kunst- und Kulturbetrieb, der sich beständig in den Dienst der Ökonomie stellt.

Ein Lesevergnügen der ganz besonderen Art!


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