Frans Eemil Sillanpää: Frommes Elend

verfasst am 06.09.2014 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Romane, Sillanpää, Frans Eemil

Das Schicksal von Jussi, oder Juha, oder Janne wie er auch genannt wurde, zeichnet das Leben und Leiden der bäuerlichen Bevölkerung Finnlands in der zweiten Hälfte des 19enten Jahrhunderts auf.

Als ich das Buch bekam, wirkte der graue Umschlag, mit der düsteren Darstellung einer Kate, ziemlich deprimierend. Nach kurzer Zeit des Lesens stellte ich fest, dass dieser Umschlag genau zum Inhalt des Buches passt.

Grau in grau, trübsinnig, freudlos, von Hunger geplagt, von den Gutsherren ausgenützt schildert Sillanpää das Leben des Johan – Jussi- Abraham Benjaminssohn. Genannt wird er Jussi Toivola.

Geboren wird er als Sohn des Bauern vom Nikkilä-Hof, dem Penjami und seiner dritten Frau Maija. Jussi entwickelt sich zu einem nicht sehr liebenswürdigem Kind und auch als Erwachsener nimmt er die Menschen nicht für sich ein.. Die Schläge seines Vaters begleiten sein tägliches Leben. Ebenso ist an vielen Tagen der Hunger sein und seiner Geschwister Begleiter.

Jussi bemüht sich ein menschenwürdiges Dasein mit seiner Familie zu führen. Er lebt als Kleinpächter in einer Kate auf dem Gebiet des Ollila Hofes. Als Landarbeiter verdingt sich Jussi um mit seiner Frau und den zahlreichen Kindern sein Leben bestreiten zu können. Doch es reicht kaum für das Nötigste und der Hunger und die Armut sind die häufigsten Gäste in der halbverfallenen Hütte.

Die hierarchischen Strukturen beherrschen das bäuerliche Leben, die Menschen des niederen Standes leben in einer freudlosen, trostlosen Zeit, ausgebeutet von den Gutsherren. Finnland befindet sich in dieser Zeit in einem Umbruch. Das Land will sich von seiner jahrhundertelangen Fremdherrschaft –erst durch Schweden, dann durch Russland – befreien.

Als 1918 der Bürgerkrieg ausbricht, ist Jussi mitten in den Auseinandersetzungen. Er ist ein Kämpfer gegen die Unzulänglichkeiten des Lebens, er scheut nicht zurück vor den alltäglichen Mühen und Entbehrungen, um seiner Familie ein erträgliches Leben zu ermöglichen. Überschattet wird sein Leben durch den Tod seiner Frau und seiner ältesten Tochter.

Sillanpää, der für sein Buch „Frommes Elend“ den Literatur-Nobelpreis bekam, gelingt es mit seiner, für mich etwas antiquierten, aber beeindruckenden Sprache, die ganze Tristesse der damaligen Zeit mit einem Hauch von Glanz zu versehen. Besonders dann, wenn Jussis Herz bei der Betrachtung der Natur aufgeht, und er kurze Glücksmomente erfährt. Hier zeigt sich, dass Jussi im Einklang mit der Natur lebt.

Auch wenn ich wegen der Sprache die eine oder andere Passage zweimal lesen musste, hat mich das Buch sehr berührt. Jussi hat sich trotz seines schweren Lebens und trotz seiner persönlichen Unzulänglichkeiten ein Maß an Würde erhalten.

Meine Empfehlung – unbedingt lesen!!


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