Herman Bang: Ludvigshöhe

verfasst am 10.04.2014 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Bang, Herman, Romane

LudvigshöheHerman Bang, ein Dichter Ende des neunzehnten und des Beginns zum zwanzigsten Jahrhunderts erzählt die Geschichte von dem Sehnsuchtsort Ludvigshöhe.

Ludvigshöhe ist ein ehemaliger Gutshof, der voll des Lebens war, in dem Ida, die Tochter des Gutsverwalters,  in einer harmonischen Umgebung aufwuchs. Karl, Sohn aus gutem Hause, verbrachte  seine Sommerferien sehr oft auf Ludvigshöhe.

Als ich das Buch bekam, und den Klappentext gelesen habe, war ich etwas skeptisch, ob ich wohl „durchhalte“, oder ob ich vorzeitig das Buch zur Seite lege, weil mich die Geschichte zu sehr in die Zeit der „Gartenlaube-Geschichten“ erinnerte. Nichts da, Hermann Bang erzählt eine Generationengeschichte  aus Dänemark, die je weiter ich las, alle Facetten einer spannenden Geschichte hat. Neben leichtem schmunzeln schlich sich bei mir auch Mitleid und Besorgnis über die Protagonisten ein.

Heiterkeit erzeugten bei mir die Titel einzelner handelnder Personen: – „Konferenzrat, Etatsrätin, Admiralin Schleppegrell (weil ihr Mann Admiral war!)“.

Aber auch Ausdrücke von Standesdünkel weiß Herman Bang anzuführen   „Julius oder seinesgleichen in ein Büro zu schicken, wo die anderen vielleicht von geringerem Rang sind“. Es gibt noch viele derartige Beispiele in dem Buch, die zum schmunzeln verleiten, manchmal aber auch Ärgernis bei mir hervorriefen.

Ida Brandt, die Tochter des verstorbenen Gutsverwalters auf Ludvigshöhe, muss nach dem Tod des Vaters mit ihrer Mutter das Gut verlassen. Fortan lebt sie mit Ihrer Mutter in einer eher bescheidenen Wohnung. Die Mutteer wird krank und Ida pflegt sie bis zu ihrem Tod.

Was von ihrer Mutter bleibt, sind 80 000.00 Kronen, die es Ida ermöglichen ein ganz gutes Leben zu führen. Ohne einer Berufsausbildung wird sie Pflegerin in einer psychiatrischen Klinik. Dort erwirbt sie sich alsbald Respekt und gilt als sehr freundlich und hilfsbereit. Eines Tages begegnet sie Karl von Eichbaum,  jenen Burschen, der mit seinen Eltern oft in den Sommerferien auf Ludvigshöhe war. Er war damals schon ein merkwürdiger Bub, er lag lieber im Bett als sich in der wunderschönen Natur um Ludvigshöhe umzutun.

Karl arbeitet im Büro der psychiatrischen Anstalt, wohl eher lustlos, und nur mit einem geringen Gehalt ausgestattet. Seine Unterkunft hat er in der Wohnung seiner Mutter, der Generalin von Eichbaum ( ihr Mann . . . .), in einem Kabinett. Die Eichbaums sind auch nicht mehr so wohlhabend wie zu ihren Zeiten auf Ludvigshöhe.

Ida und Karl verlieben sich ineinander, was dazu führt, das Ida ihr ganzes Vermögen Karl sukzessive überlässt, ob sie ihm Geld für einen exquisiten Mantel gibt, oder ihm ihre Geldbörse überlässt, damit er Restaurant-Rechnungen bezahlen kann. Langsam verkommt so ihr ererbtes Vermögen.

 Es ist eine tragische Liebesgeschichte, da für Karl materielle Werte immer über alles gehen. So schließt er sich Kate Mourier an, die aus einem reichen Haus kommt. Ihr Vater, der Butterkönig der Gegend, hat Gut Ludvigshöhe gekauft  Kate schmiedet mit Karl Umbaupläne. Aus dem Umgang der Beiden miteinander ist unschwer zu erkennen, dass Karl, trotz seiner noch vorhandenen Gefühle für Ida, sich eindeutig Kate zuwendet. Ida leidet ungemein unter diesem Zustand und zieht sich nach einem Fest bei den von Eichbaums unglücklich, verlassen, in ihre Kammer in der psychiatrischen Klinik zurück.

Herman Bang versteht es wunderbar das Leben um die Jahrhundertwende vom neunzehnten zum 20. Jahrhundert eindringlich zu beschreiben. Bang schildert mit leiser Melancholie und einfühlsam die Schicksale und das Leben der Kopenhagener Gesellschaft.  Die Hauptpersonen seines Romans sind  Frauen, die mit einer gewissen Dominanz ihre Häuser führen; die Herren kommen nur als Nebendarsteller  vor, mit Ausnahme von Karl, der durch sein schändliches Verhalten Ida gegenüber, fast deren Leben zerstört.



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