Peter Natter: Die Tote im Cellokasten
Inspektor Ibeles schwärzester Fall

verfasst am 20.02.2014 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Kriminalromane, Natter, Peter

Kommissar Ibele ist ein Liebhaber von gutem Essen und Hörer klassischer Musik, seit 25 Jahren mit dem Rösle verheiratet, die selbstverständlich ausgezeichnet kocht. Die hübsche Assistentin muss natürlich nach Lavendel duften. So die Zutaten eines Brunetti gesammelt, macht sich der Autor ans Werk.  

Die Tote tot, das Cello weg – eigentlich der Auftakt zu einer spannenden Story. Die Ermordete ist nackt und (wir haben es geahnt) wohl geformt. Soweit der Start in eine Serie von Klischees, die versuchen, durch Aneinanderreihung zu einer Geschichte zu werden.

Leider schwurbelt der Autor eine Figur nach der anderen ab. Der geldgierige Schönheitschirurg; die reiche, gealterte schwedische Gattin; der jungen Frauen nachsteigende gewesene Lebemann und viele mehr, alle ebenso wortreich wie flach bleibend beschrieben.

Die Sprache, anfangs nett zu lesen, ging mir nach einem Drittel ziemlich auf die Nerven. „Klara, ein paar Jahre älter als Dokus; eine immer noch sehr attraktive Frau mit leidenschaftlichem und starken Gemüt und in den Augen vieler, vor allem in denen ihres Langzeitverlobten Bartle, wirklich zu schade, um ihrem Klotz von Bruder aufzuwarten.“

Diese distanzierte Arroganz den Figuren gegenüber wird konsequent durchgehalten, ohne dass dem Leser auch nur eine/r der Vielen in irgendeiner Weise näher kommt.

Darüber hinaus verfolgt der zwischenzeitlich nur noch wenig geneigte Leser statt der Tätersuche den Kommissar bei seinen zahlreichen Wirtshausbesuchen.

Am Ende weiß man zwar nicht warum die Morde geschahen, was das mit dem Dopingskandal zu tun hat, warum ein Cello im Titel ist, aber was der Mann gerne isst.

Selten war es mir bei einem Krimi so egal, wer der Mörder war und selten habe ich ein Buch gelesen, in dem alle Hauptcharaktere bestenfalls unsympathisch oder mir im schlechtesten Fall gleichgültig waren.


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