Jana Revedin : Frau hinter Hecken

verfasst am 16.01.2014 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Revedin, Jana, Romane

Frau hinter HeckenSylvie Vaughan erhält von Isolde Schwartz, eine der Öffentlichkeit bekannten und sehr erfolgreichen  Philosophin, einen Anruf. Verwundert, dass diese Frau, die Sylvie erst kürzlich in München auf einem Symposium zum Thema „Ethik der Macht“ getroffen hat ihre Telefonnummer weiß. Zwei Frauen nehmen sich eine Auszeit. Ist ihre Motivation für Ruhe unterschiedlich, so verbindet sie neben dem gewählten Ort ihr Schicksal.

Es bleibt nicht nur bei einem Telefonat. Isolde besucht Sylvie und in kürzester Zeit schafft es die Philosophin, Silvie mit ihren eigenen Ängsten und Erinnerungen zu konfrontieren, in dem Glauben, sie hätte diese schon längst überwunden.

Beiden Frauen ist der Tod nicht fremd. Sylvie hat schon früh ihre Eltern verloren. Der Vater starb durch einen Unfall,  ihre Mutter hat den Freitod gewählt. Isoldes Mann ist nach langer Krankheit verstorben.

Nicht diese Erfahrung allein verbindet die beiden Frauen, sondern die verlorene Unbeschwertheit. Schuldgefühle. Einsamkeit.

Isolde erzählt aus ihrer Vergangenheit. Nach dem Tod von Fred, Isoldes Mann, veröffentlichte sie einige Werke über Ethik, ein Vortrag folgte dem nächsten. Sie war gefragt, erhielt Anerkennung und sie genoss das. Zu spät erkannte sie, was es an Substanz kostet, in den elitären Kreisen vertreten zu sein, sich ständig getrieben zu fühlen und trotzdem den Stillstand in der Weiterentwicklung ihrer Thesen und ethischen Lehre zu verkraften.  Zu sehr ließ sie sich von ihrer Umgebung als Berühmtheit feiern.

Beruflich fühlte sie sich auf einem „Irrweg“, begleitet von einer wachsenden Einsamkeit. Erfrischend dagegen erlebte sie ihr ein Verhältnis zu einem charmanten, jungen österreichischen Akademiker. Doch nicht weil sie ihn liebte. Sondern um sich abzusichern. Sie beginnt zu trinken, konsumiert illegale Substanzen und wird schlussendlich von der Universität entlassen. So landet sie in Sylvies Leben.

Aber Isolde schafft Ko-Abhängigkeiten. Nicht nur bei ihrem Liebhaber. Auch bei Sylvie.

Als Isolde der jungen Schriftstellerin offenbart, dass sie sich auf eine Reise macht, spürt Sylvie wie dieses Statement, dass sie per sms erreicht, enorme Unruhe. Die Metapher „Reise“ lässt in Sylvie die Vergangenheit einholen. Sie selbst kann sich nicht verzeihen, dass ihre Mutter Suizid verübt hat und die Angst, dass nun Isolde den gleichen Weg beschreitet bringt sie emotional auf eine Achterbahn. Der Vorwurf, sie habe es schon einmal nicht verhindert, dass eine geliebte Person den Freitod wählt, bindet auch Sylvie an die Philosophin.

Macht? Einsamkeit? Hinter Hecken sich vor einem Lügengebäude verstecken? Ein spannender Roman!


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