Martin Walker: Delikatessen
Der vierte Fall für Bruno, Chef de police

verfasst am 04.05.2012 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Kriminalromane, Walker, Martin

Als Ortspolizist versteht Bruno sich weniger als strenger Hüter von Recht und Ordnung, sondern mehr als Vermittler zwischen Einheimischen und Touristen, Durchreisenden und sonstigen Gästen im Tal rund um Saint Denise. Getreu dem Motto, dass es allen Menschen gut gehen soll, denn dann herrscht Frieden und Beschaulichkeit – typisches Landleben in Frankreich eben. Aber leider lässt sich dieses Vorhaben nicht immer durchhalten.

Diesmal sind es ambitionierte, aber wenigstens nicht sonderlich militante,  Tierschützer und ein Skelett, das man aus einer archäologischen Fundstätte geborgen hat.  Die Tierschützer verhelfen ein paar tausend Enten und Gänsen zur, wenn auch nicht dauerhaften, Flucht und das Skelett ist nicht ein paar tausend Jahre alt sondern höchsten ein paar Jahrzehnte und wurde mit Hilfe einer Kugel ums Leben gebracht. Klarer Mord!

Ganz nebenbei findet in Brunos Gebiet auch noch ein französisch-spanisches Ministertreffen statt, für das, wegen des nahen Baskenlandes, erhöhte Sicherheitsmaßnahmen getroffen werden müssen.

Kurzum: lauter Ereignisse, die Bruno vom schönen und geruhsamen Leben, von romantischen Treffen mit Pamela, von hie und da einem kleinen Plausch mit den Stadtbewohnern und überhaupt vom liebgewonnenen beschaulichen Lebensrythmus abhalten. Und eine ganze Menge Polizisten und Geheimdienstler in die Gegend bringen, da kann man fast sicher mit einigen „Missverständnissen“ mit den Ortansässigen rechnen.

Martin Walker betont (man könnte auch sagen:verklärt)  in diesem vierten Fall von Bruno dessen Lebesart noch stärker als bisher und lässt sich dabei durch nichts abhalten. Soll heissen, dass diese Lebensart einfach das Maß aller Dinge ist und alles andere nur schlechter sein kann.

Beispiele gefällig?

Einmal dieses: Tierschützer sind immer kleine Radikalinskis,  machen grundsätzlich erst einmal etwas kaputt, finden aber mit Brunos selbstloser Hilfe den Weg zurück in unsere Gesellschaft. Das passiert in diesem Buch, wie auch schon in ähnlicher Form den Bücher zuvor und lässt mich glauben, dass für Mr. Martin Walker der Tierschutz nur etwas für spätpubertäre Wirrköpfe ist, die es (was auch immer) nur noch nicht verstanden haben, es aber irgendwann lernen werden.

Oder das: Gänsestopfleber schmeckt gut und es ist ein Kulturgut und wird deshalb auch weiter so gemacht, ob es den Gänsen gefällt oder nicht. Vor allem Bruno ist ein ganz besonderer Fan. Ein Absatz hat mich dabei wirklich massiv gestört: Walker lässt einen polnischen Studenten erzählen, dass sich Gänse ja selbst mit Nahrung für den Flug in den Süden nur so vollstopfen und dabei ja schon ganz alleine für eine Fettleber sorgen. Wer findet denn so etwas lustig??? Ich frage bei Gelegenheit einmal eine Gans, was sie davon hält.

Und natürlich: Jucheissa, die Jägerei ist so schön! Man muss nicht König von Spanien,  Landeshauptmann von Tirol oder kleiner Landadeliger im Burgenland sein, um sich am Abschießen zu ergötzen. Nein, auch für einen Dorfpolizisten und seine Freunde ist ein ein richtiger Spass.

Aus den drei Vorgängerromanen bekannte Sterotypen bilden also den Rahmen auch für den vierten Fall von Bruno Courreges, Chef de Police. Und weil ich gerade beim herummotzen bin: der Weg vom englischen Originaltitel „The Crowded Cave“ zu „Delikatessen“ ist auch recht verschlungen und mir nicht verständlich. Eine einfache Übersetzung hätte es wahrscheinlich besser getroffen, auch wenn es in diesem Buch über weite Strecken natürlich um „delikat Essen“ geht – aber das ist bei Bruno weder neu noch originell, da hätte man die vier Fälle/Bücher gleich mit „Delikatessen I – IV“ betiteln können.

Was gibt es über den Roman zu berichten?

Es ist die schon sehr bekannte Vorgangsweise, mit der Bruno zu Ergebnissen kommt und dabei all die hochgerüsteten Spezialisten von Polizei, Gendamerie und Geheimdienst düpiert. Denn ihn treibt ja, wie es nach Band 4 nun wirklich jede/r zur Genüge weiß, nur das Wohl seiner Mitbürger und der Wunsch nach Harmonie und dem Savoir vivre. Die Verklärung des Titelhelden kommt machmal gefährlich nahe an Übertreibung und Verklärung heran.

Die Klärung des Falles (der Fälle) ist recht spannend, flüssig und nervenschonend geschrieben und verzichtet im weiteren Verlauf auch auf weitere schräge Statements (wie zB. jenem zu den Gänsen). Insgesamt aber bisher der schwächste Roman der Serie.

Für einen fünften Fall reicht es allerdings nicht mehr, das sollte sich Martin Walker etwas anderes überlegen für seinen sanftmütigen Polizisten. Sonst wird aus sanft ziemlich schnell langweilig und Bruno zu sehr zum Alleskönner und Übermenschen.

Für NeueinsteigerInnen:  eine schwungvolle, leichte Lektüre, mit der man sich ein paar Stunden lang unbeschwert die Zeit vertreiben kann.


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