Martin Walker: Grand Cru
Der zweite Fall für Bruno, Chef de police

verfasst am 08.05.2010 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Kriminalromane, Walker, Martin

Der zweite Fall mit Bruno, Chef de Police führt erneut in die beschauliche Landschaft des Perigord und in die Gemeinschaft des kleinen Ortes Saint-Denis. Ruhe und Beschaulicheit, das ist, was das Leben dort für Bruno Courrèges so anziehend macht. Seine Zeit als Soldat in Bosnien liegt 10 Jahre in der Vergangenenheit, seine Gegenwart und Zukunft liegen hier im Tal.

Es ist für Bruno also wenig Grund zur Freude, als die Realitäten der Welt außerhalb mit einem Mal auch in seine Idylle eindringen. Während die Menschen von Saint-Denis noch ihrem gewohnten Leben nachgehen, drängen sich die Themen, die die Welt außerhalb beschäftigen, auch in ihren Alltag.

Eine Scheune, die auf keinem Plan verzeichnet war, brennt nieder und bald steht Brandstiftung als Ursache fest.  Als kurz danach auch noch bekannt wird, daß die Scheune und das Feld darum herum für Tests mit gentechnisch veränderten Pflanzen genutzt wurde, ahnt Bruno, daß mehr als bloßer Vandalismus dahinter steckt. Noch weniger erfreut ist er, als ihn die ersten Spuren auch noch zu den Häusern einiger seiner Freunde führen.

Fast zur selben Zeit taucht ein amerikanischer Unternehmer auf, der zu den Großen in der weltweiten Weinbranche zählt. Er hat die Weinberge von Saint-Denis im Auge, um ausgerechnet hier in Anbauflächen und Produktion zu investieren. Das bringt Bruno und den Bürgermeister bald zu gegensätzlichen Vorstellungen darüber, wie es mit dem Ort weiter gehen soll. Der eine möchte möglichst viel an Tradition und Lebensart erhalten, der andere sieht es als seine Verpflichtung an, Investitionen und damit Arbeitplätze für die BürgerInnen zu sichern.

Schlagworte wie militante Umweltschützer und Globalisierung sind zu Themen geworden, mit denen sich Bruno auseinander setzen muß. Man merkt es ihm an, wie er an der ihm lieb gewordenen Lebensart festhalten will, wie er alles versucht, seine Freunde zu schützen, wie er aber gleichzeitig seiner Verpflichtung als Polizeichef nachkommt. Vorsichtig arbeitet er sich immer weiter durch Fakten, Indizien und Spuren. Wo immer es ihm möglich ist und die Beweise es zulassen, beweist er die Unschuld seiner MitbürgerInnen, dort wo sich ein Verdacht erhärtet, geht er unbeirrt vor, immer darauf bedacht, niemanden zu Unrecht zu verdächtigen oder zu beschuldigen.

Mit Brandstiftung und amerikanischem Investor ist es aber noch nicht getan. Als ein Toter in einem Weinfass gefunden wird, scheint auf einmal alles auf einen Mord hin zu deuten.

So behutsam wie Bruno voran geht, so bedächtig entwickelt sich die Klärung der Vorfälle –  die Landschaft, die Menschen und das Buch passen einfach zusammen. Martin Walker lässt sein Gefühl für seine Wahlheimat direkt in die Sätze und in den Stil einfließen und das nimmt die Leserin/den Leser mit, mitten hinein nach Saint-Denis. Der Mensch Bruno kommt uns nahe und alle Menschen, die ihm nahe stehen ebenso und der Polizist Bruno ermittelt nach der Methode „Beim Reden kommen d’Leut zsamm“.

Alles zusammen eine ruhige Geschichte, die, wäre da nicht ein Polizist die Hauptfigur, genauso gut auch einfach ein Roman über Land und Leute in Frankreich sein könnte. Keine Action, keine nervenzerfetzende Spannung, dafür entspanntes Lesen und Neugier auf das, was kommen wird. Der zweite Fall kommt für mich nicht ganz an Brunos ersten Fall heran, macht aber noch immer viel Spaß beim Lesen.



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