Martin Walker: Femme fatale
Der fünfte Fall für Bruno, Chef de police

verfasst am 12.05.2013 von | 1 Kommentar
Rubriken: Kriminalromane, Walker, Martin

Femme fataleSatanismus in der französischen Provinz? Nun, ein Wunder wäre es ja nicht, bei all den Höhlen mit den uralten Höhlenmalereien. Ist eine der Attraktionen des Perigord gleichzeitg etwa auch ein Zentrum der dunklen Mächte? Es sieht jedenfalls so aus, als ein Kanu den Fluss hinuntertreibt.

Im Kanu eine Tote, unbekannt, aber von allen möglichen Insignien der Teufelsanbetung umrahmt. Bruno, der Chef der Polizei von Saint-Denise muss wieder einmal antreten um die Beschaulichkeit seiner Heimat vor den bösen Menschen, die meist von weit her kommen, zu bewahren. Mit List, Mitgefühl und Scharfsinn, wie immer, wie gesagt.

Die Ruhe der Landschaft, das Lebensgefühl der Menschen: darum geht es vor allem in diesem Roman. Lange dauert es, bis auch nur die Identität der Toten geklärt ist, aus den diversen Spuren, die auf Satanismus hinweisen, wird lange überhaupt keine Krimihandlung; denn auch ob es Mord, Unfall oder Selbstmord ist, das ist zunächst nicht klar.

So bleibt es an Bruno und seinen Frauen (diesmal darf Isabelle wieder Tisch und Bett, wenn auch nur für ein paar Tage, mit ihm teilen) sich mit Essen, Genießen und zwischendurch ein wenig Spurensuche die Zeit zu vertreiben. Ja selbst die sich anbahnende Immobilienblase scheint an der Schlauheit der Einheimischen – allen voran Bruno Courreges  – zu scheitern (Davon hätte sich die Wallstreet eine Scheibe abschneiden können).

Hat man sich einmal darauf eingestellt, es nicht mit einem spannungsgeladenen Krimi zu tun zu haben, gewinnt man auch mehr und mehr Freude am Geschehen und am Lesen. Drei Viertel des Buches werden so zu einer Liebeserklärung des Autors an seine Wahlheimat, der mit dem Buch mitgelieferte Reiseführer ist da nur eine logische Folge des Inhaltes.

So vergeht also die Zeit mit Essen, Trinken, durch die Gegend fahren, Ausreiten und Menschen treffen. Aber es passiert wenig. Eine perfekte Gegend, in die sich alltagsgestresste Menschen aus nah und fern zurückziehen können – denn hier werden die Nerven 100%ig geschont. Gegen Ende zu – man befindet sich schon im letzten Viertel – wird es ein bisschen rasanter und das nimmt man dann doch mit einer gewissen Dankbarkeit auf.

Das Grundgerüst der Bruno-Geschichten ist nach wie vor stimmig: der Dorfpolizist, der bei allem Wachen über Recht und Ordnung das nötige Augenmaß nie vergisst. Die Landschaft, die die Menschen und ihren Charakter prägt. Die Distanz zur Großstadt, das beschauliche Leben auf dem Lande. Leider aber wurde in diesem Roman aus den Zutaten kein flotter Roman sondern eine gemächlich dahinmäandernde Erzählung.  Das ist grundsätzlich natürlich nicht schlecht, jedoch für einen wirklich guten Krimi reicht es leider nicht.

Eine Randbemerkung: ich hoffe sehr dass Martin Walker selbst keinen Hund besitzt. Denn was er da über Brunos neuen vierbeinigen Gefährten und über den Umgang und das Verhalten eines Welpen erzählt, das ist überwiegend recht hundefern.

Und schlussendlich ein PS: Die Beschreibungen von Land und Leuten liefern sicher für viele Leserinnen und Leser genügend Anreiz , sich einmal eine Urlaubsreise ins Perigord vorzunehmen. Und damit wird, das nehme ich einfach einmal an, ein Hauptzweck dieses Romanes erfüllt sein.



RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag 1 Kommentar


  • Kommentar von  sirod am 17.07.2013 um 10:01 Uhr Uhr

    ich mag walkers bücher, auch wenn sie nicht so spannungsgeladen sind, wie man es von einem krimi erwartet. seine affinität zum perigord wiederholt sich in jedem seiner bücher mit hingebungsvollen landschaftsbeschreibungen, hinreissendem essen und das immer wieder auftreten derselben personen. ist ja nicht schlecht, man fühlt sich wie bei alten bekannten und bekommt lust auf landschaft und essen des perigord. aber, letztlich ist femme fatale dann doch ein bisschen langatmig. nichts desto trotz werde ich auch den nächsten walker wieder lesen.

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