H.G. Wells: Die Zeitmaschine

verfasst am 15.09.2011 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Science Fiction, Wells, H.G.

Würden wir es überhaupt wissen, wenn es schon Zeitreisen gäbe? Und würden wir glauben, wenn uns jemand erzählt, sie oder er käme gerade von einer Zeitreise zurück? Nein, wir würden den Kopf schütteln, unauffällig mit dem Finger an die Stirne tippen und weiter gehen. Obwohl: so wie es H.G. Wells seinen Zeitreisenden im 1. Kapitel erklären lässt, ist es logisch und wahrscheinlich, dass wir uns auch durch die „Dimension Zeit“ bewegen können, wenn wir es nur richtig angehen.

Nun, die Sache mit der Skepsis, die schlug dem Zeitreisenden schon anno 1895, als „Die Zeitmaschine“ erschien, entgegen. Da hatte er eine eindrucksvolle Maschine geschaffen, sogar ein kleines Modell davon im Zeitstrom verschwinden lassen, doch so wirklich glauben wollte ihm keiner seiner (durchwegs männlichen, wie damals üblich) Zuhörer.

Wenn die Ungläubigen sich weigern, etwas Neues anzuerkennen, dann müssen wirkliche Fakten auf den Tisch gelegt werden. Diese Fakten holt sich der Zeitreisende aus eigener Anschauung, aus ferner Zukunft, in die ihn seine Maschine brachte.

Obwohl nun also der Zeitreisende im Kaminzimmer vor einer gebannt lauschenden Herrenrunde von seiner Reise erzählt, so ist es doch nur eine Erzählung. Er selbst war nur ein paar Stunden aus der Gegenwart verschwunden, kehrt dann zwar verschmutzt und ausgehungert zurück, berichtet von mehreren Tagen, die er fort gewesen war. Doch wer weiss schon, mit welchen Tricks der Mann die Sinne seiner Zuhörer verwirrt.

Er erzählt von seiner Reise in die Zukunft, wie er auf Menschen traf, denen jedes Interesse, jede Neugier, jede eigene Initiative abhanden gekommen war. Denn mehr als 800.000 Jahre haben, so glaubt der Zeitreisende, alle Probleme der Menschheit gelöst und als Folge dieses nun einfachen und gefahrlosen Daseins musst wohl eine Form der Rückentwicklung, der Degeneration eingesetzt haben. Und doch kommt ihm diese Zeit wie das Goldene Zeitalter vor, denn Krankheiten, Hunger, Armut und Streitigkeiten scheinen verschwunden zu sein.

Je länger sein Aufenthalt dauert –  eine rasche Rückreise ist ihm wegen des Verschwindens seiner Zeitmaschine verwehrt – desto mehr Ungereimtheiten fallen ihm auf, desto mehr bekommt dieses Goldenen Zeitalter Kratzer und Risse. Wie und warum haben die Menschen der Zukunft seine Zeitmaschine versteckt. Woher haben Sie zB. ihre Kleidung, wo man doch nirgendwo ein Fabrik, eine Werkstätte, eine Maschine finden kann. Welchen Zweck erfüllen die tiefen Brunnen, aus denen dumpfe Geräusche zu hörn sind. Welche geisterhaften Wesen bevölkern die Dunkelheit. Was, wenn sich in den vergangenen Jahrhunderten aus dem Menschen mehrere Spezies entwickelt hatten?

Immer wieder erwähnt der  Zeitreisende bei seiner Erzählung, dass noch viel Schreckliches geschehen würde. Mehr und mehr fand er heraus, in welche Welt er geraten war und nach 8 Tagen schaffte er es in die Gegenwart zurück zu kehren.

Wie bei fast allen Büchern von Wells begeisterte mich auch hier die Sprache: so einfach, so vertraut, dass selbst die utopischten (gibts das Wort überhaupt?)  Geschichten wie selbstverständlich klingen. Es ist einfach, dem Geschehen zu folgen, aber um die feinen Wendungen darin nicht zu überlesen darf man sich dabei nicht in allzu flotte Vorgangsweise stürzen. Für mich sind die Romane von H.G. Wells wie ein vertrauter Hafen, zu dem ich regelmäßig und mit Begeisterung  zurück kehre. Da ist es durchaus praktisch, dass aus seiner Feder gewiss mehr als 100 Bücher entstammen.

Der Film aus dem Jahr 1960 mit Rod Tayler ist ebenfalls ein Klassiker (und wahrscheinlich öfter gesehen als das Buch gelesen): Die Zeitmaschine


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