H.G. Wells: Von kommenden Tagen

verfasst am 22.01.2012 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Science Fiction, Wells, H.G.

Es ist ein richtiger utopischer Roman. Aus der Sicht des ausgehenden 19. Jahrhunderts erzählt H.G. Wells über das 22. Jahrhundert. Heraus gekommen ist dabei die Beschreibung einer Welt, die einerseits einiges enthält, das schon wahr geworden ist, andererseits wird von einer Gesellschaft berichtet, die noch weiter auseinander gedriftet ist, als wir es schon heute erleben.

Beim Lesen hatte ich andauernd die Bilder von Fritz Langs „Metropolis“ vor Augen. Genau so erschien mir Well’s Schilderung der Stadt im 22. Jahrhundert: ein Moloch, in dem oben die kleine Schicht der Besitzenden viel Sonnen abbekommt, darunter die große Masse der praktisch zu reinen Arbeitssklaven verkommenen Mehrheit im Dunklen schuftet und ohne Aussicht auf Besserung dahin vegetiert. Keine gute und schöne Welt also, vor allem dann nicht, wenn man kein Geld hat.

Für die Oberschicht gibt es vieles, das wir auch heute schon kennen (Smartphones, Linienflüge), aber auch soziale Zwänge, die für alle Menschen dieser Zukunft das Leben einschränken. Da hat Liebe im heutigen Sinn keinen Platz mehr. Das ist der Punkt, an dem die Geschichte von Elizebeth und Denton beginnt, die sich ineinander verlieben, auf die ganz klassiche, altmodische Art. Doch Elizebeths Vater hat einen anderen für sie ausgesucht, einen, der aus einer höheren sozialen Schicht kommt, als der arme und fast mittelose Denton.

Wie die beiden gemeinsam aus dem engen gesellschaftlichen  Korsett ausbrechen wollen, wie sie daran scheitern, in dieser Welt eine eigene Nische für ihre Liebe zu finden und wie am Ende doch Mitgefühl siegt. Darum geht es in dieser kleinen aber feinen Erzählung.

PS: Ist es jetzt ganz falsch, wenn man, Parallelen zur Gegenwart zieht? Ich glaube das darf man schon: wir leben zwar nicht übereinander gestapelt, aber so etwas wie eine Clique an der Sonne (ich sage nur Spekulation, Hedgefond, Bank) hält sich eine Mehrheit, die fürs Geld und für die Produktivität sorgt (Steuerzahler).


Einen Kommentar hinterlassen

* erforderlich. Beachten Sie bitte die Datenschutzerklärung


Top