Arjouni, Jakob: Mehr Bier

verfasst am 18.08.2011 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Arjouni, Jakob, Kriminalromane

Ein türkischstämmiger Privatdetektiv im Frankfurt/Main der 1980er-Jahre: welch eine Gelegenheit, so viele gängige Klischees wie möglich in einen Roman zu packen und Jakob Arjouni hat die, augenscheinlich mit Begeisterung, genützt.

Da gibt es einmal die ewige Feindschaft Polizei – Privatdetektiv. Dann die hinterlistige Witwe des gerade mordsmäßig verstorbenen Chemieindustriellen. Und natürlich die Front der ÖKO-Fundis, für die alle außerhalb ihrer Organisation Reaktionäre und somit Feinde und zu ignorieren sind. Nicht zu vergessen die mehr oder weniger abwertenden Benamungen, die ein Türke zu hören bekommt.

Nur ein Privatdetektiv-Klischee fand ich nicht verwendet – das mit den Saxophon (Mike Hammer, schau oba) , das man aus einem Lokal in einer dunklen Seitengasse hört. Dabei hätte ich gerade darüber echt gefreut gefreut.

All das findet statt in Zuge der, bereits erwähnten, Ermordung des Chemiewerk-Besitzers. Zum Handkuss kommen die vier ÖKO-Fundis, die, so schlimm kann einem das Schicksal mitspielen, nur eine kleine Abwasserleitung sprengen wollten, während just zu gleichen Zeit dortorts der Mord passierte.

Logisch, dass man die 4 vor Gericht stellt und ihnen dort die ganze Geschichte anhängen will. Also Mord und Sprengung, obwohl es doch ziemlich klar scheint, dass da noch ein fünfter Mann im Spiel ist. Der Polizei ist das aber egal, die haben was sie wollen und ermitteln nicht weiter.

Der Anwalt der Fundis engagiert Kemal Kayankaya um die Nr. 5 zu finden und der stürzt sich, gewohnt selbstlos und schlagfertig, auf die Sache. Rangeleien mit der Polizei, der Beginn einer wahrscheinlich lebenslangen Feindschaft mit einem Kommissar und politische Verwicklungen sind das das Mindeste, womit Kayankaya diesmal aufwarten kann und nur ein paar der Fettnäpfchen, in die er seine Fußspuren drückt.

Das ist zwar alles recht lustig und flott, aber umhauen konnte es mich nicht.  So kreuz und quer, wie die Spuren verlaufen, verliert sich langsam aber sicher praktisch jeder Bezug zur Wirklichkeit. Die Themen Korruption, Missbrauch von Staatsgewalt und Justiz kommen zwar auf, können sich aber in der Story nicht behaupten.

Mir hat es lange nicht so gut gefallen wie der erste Kayankaya (Happy Birthday, Türke) – trotzdem nett zu lesen, wenn man gerade nichts besseres zur Verfügung hat. Und „Mehr Bier“ hat überhaupt keinen Bezug zu irgendwas, ausser zu Kayankaya und seinem Kumpel, die sich am Ende so richtig niedertschechern.



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