Jakob Arjouni: Bruder Kemal
Kayankayas fünfter Fall

verfasst am 02.09.2012 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Arjouni, Jakob, Kriminalromane

Mehr als 10 Jahre sind vergangen, seit Jakob Arjouni seinen Romanhelden Kemal Kayankaya, Privatdetektiv  mit Migrationshintergrund, zuletzt in Frankfurt die Schurken jagen ließ. Das ist schon eine lange Zeit und man fragt sich, was all die Jahre wohl aus ihm gemacht haben! Das Wichtigste zuerst: er ist noch immer cool …

….dachte ich!

Nach dem Beginn, der so so las, wie ich es mir vorgestellt und gewünscht hatte, wird aber leider schnell aus der (fälschlicherweise als solcher bezeichneten) Coolness eine gedruckte Plauderei, bei der der Plauderer zum keinem Ende finden will (anders gesagt: es zieeeht sich).

Hurtig trudeln kurz hintereinander zwei Aufträge ins Haus: die verschwundene Tochter aus gutem Hause zu finden und den angeblich bedrohten Autoren eines – „gähn“ – Buches über Homosexualität in einem arabischen Land zu beschützen.

Zuerst wird Auftrag 1 schnell und schnörkellos abgearbeitet. Kayankaya darf dabei seine schnellen Schlüsse in der Art von Sherlock Holmes ziehen, denn aus kaum vorhandenen Hinweisen und Andeutungen reimt er sich –  so schnell kannst du gar nicht lesen – immer gleich das exakt Richtige zusammen. Das ist schon toll, nach mehrmaliger Wiederholung aber auch ein wenig seltsam.

Mit einem bunten Mix aus „Haudrauf“ und „Ich-kann-junge-Mädchen-nicht leiden sehen-und ihre-tollen-Mütter-schon-gar-nicht“ wird Fall 1 in Windeseile (stelle gerade fest, das kann man als Windes-Eile aber auch als Winde-Seile lesen) erledigt und alle sind echt froh. Bis auf die Polizei, denn der hat Kayankaya am Ort seines ungestümen Einschreitens neben einer Leiche und einem gut verschnürten Zuhälter auch eine ganze Menge an widersprechenden Spuren hinterlassen.

Genau! Und da war da noch Auftrag 2…

Zwischendurch wird vieles von dem, worauf man an so einem durchschnittlichen Privatdetektiv-Arbeitstag im 21. Jahrhundert  in einer Großstadt wie Frankfurt trifft, eingewoben: ein bisschen radikale Moslems da, ein wenig Mitgrationsproblematik dort und ein bisschen Zuhälterei als Würze. Eine recht klischeehafte Themenauswahl für meinen Geschmack.

Alles zusammen klingt das weitaus aufregender als es ist. Es ist nämlich eher fad!

Fazit: Kayankaya ist ein (auch wenn er es wahrscheinlich abstreiten würde) frühzeitig in die Jahre gekommener Mann Anfang 50 und hat bei seinem Comeback fast alles von seinem Esprit, seinem Tempo und seiner Originalität der frühen Jahre verloren. Das erinnert mich an den Schauspieler Stacey Keach: in den 1980ern, also just in jener Zeit als auch Kayankaya sein literarisches Leben begann, das war er ein schnittiger, cooler TV-Held in der Rolle des Mike Hammer. Heute aber bekommt er nur mehr Rollen, in denen er ältliche oder schrullige Herren darstellen darf.

Nach Arjounis letzten Büchern (die ohne Kayankaya auskamen), die mich allesamt vollends überzeugt haben, eine etwas müde und langweilige Geschichte. Und auch mit den Kayankaya-Büchern, die ich bisher gelesen habe, kommt dieses nicht mit. Schade! Vielleicht sollte unser Held in eine würdige Pension gehen.


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