Haderer, Georg: Der bessere Mensch

verfasst am 05.08.2011 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Haderer, Georg, Kriminalromane

Schäfer, Major der Polizei in Wien, ist nach schwerem psychischem Belastungssyndrom – dank Neuroleptiker – wieder intensiv ins Arbeitsleben eingetaucht. Born, Politiker einer rechten Partei Österreichs wird von seinem Gärtner tot in seinem Haus aufgefunden. Das Gehirn verätzt mit Phosphorsäure. Schäfers stürzt sich gemeinsam mit seinem Assistenten Bergmann in die Ermittlungen, die einem Weg ohne Hinweisschilder, engen Straßen, Sackgassen, Plätzen und einem schier unmöglichen Zielort gleichen.

Schäfer, betraut mit diesem Fall, ist nicht ganz auf der Höhe. Er verfällt immer wieder in Frust und Abscheu gegenüber seinem Klientel. Er verliert mehr als einmal seine Contenance. So manch Wutausbruch beschert ihm Vorladungen zu seinem Vorgesetzten Kamp. Nachdem er einen türkischen Staatsmann des Mordes an seiner Tochter bezichtigt, wird Schäfer nach Salzburg strafversetzt.

Er ist sauer, sieht sich schon in der Salzburger Altstadt die Bitten japanischer Touristen erfüllen, sich vor dem Mozartdenkmal von ihm fotografieren zu lassen.

Dann wird eine zweite Leiche entdeckt. Mladic, ein auch nicht unbekannter in der Szene, hingerichtet wie der Politiker Born. Gibt es tatsächlich Verbindungen zwischen den beiden Toten? Haare werden in der Wohnung des Toten gefunden. Die DNS ergibt, dass der Mörder allerdings schon fünfzehn Jahre tot war. Kastor, ein Massenmörder der übelsten Sorte.

Zu Beginn der Ermittlungen tappt die Polizei in einem schwammigen Komplott ohne Anhaltspunkte. Sogar die Mutter von Kastor wird exhumiert, um Gewissheit zu erlangen, dass Kastor am Tatort und trotzdem tot war. Er hat sich ja selbst vor den Augen der Kriminalisten erschossen.

Nachdem es Klarheit gibt, dass die DNS tatsächlich Kastor gehört, geht in Schäfers Gehirn eine Tür in einen Raum auf, die er bisher fest verriegelt hat. Paul Kastor, ein Psychopath, hat Schäfer einmal die Pistole an die Stirn gehalten und ihn trotzdem am Leben gelassen. Das war Grund genug, um diese Geschichte auf seiner Festplatte in den hintersten Speicherplatz zu verbannen. Doch diese Nachricht bringt Schäfers blankes Nervengerüst ordentlich ins Wanken.

Schäfers Bruder Jakob lebt – welch Zufall – ebenfalls in Salzburg und ist Arzt. Er meint, es sei durchaus möglich und nicht ungewöhnlich, dass Organe – falls Kastor zu Lebzeiten gesund war – als Organspenden verwendet wurden. Der Gedanke, dass Kastor Herz, diesem Mistkerl, jemand anderem eingepflanzt worden sein könnte, ließ bei Schäfer eine gewaltige Gänsehaut aufziehen. Und was, wenn auch der Geist eines Menschen über das Herz….

Bruder Jakob stellt Kontakt zu dem Arzt Dr. Gernot Hofer Jr. her. Der Vater des Arztes war gefürchteter Folterarzt auf der Baumgartner Höhe. Am Spiegelgrund hat dieser Kinder und Behinderte als „minderwertiges Leben“ für Versuchszwecke missbraucht und getötet. Sein Sohn Gernot trägt diese schwere Bürde und versucht durch Unterstützung von Sozialprojekten diese schreckliche Vergangenheit von seiner eigenen Lebensgeschichte fernzuhalten.

Nach und nach ergibt ein Puzzlestück nach dem anderen ein schier unglaubliches Ganzes …

Ein neues tolles Werk! Ich bin ein absoluter Fan dieses Humors, dieser Verstrickungen von Handlungssträngen, von Major Schäfer und seinem ganz (ab)normalen Leben und der Sprache des Autors!

Und wer dann noch Genaueres wissen möchte über Defekte in Präfrontalregionen des Gehirns, dem Cortex und seine angrenzenden Areale, Hippocampi, Amygdala, der begäbe sich mit einem Fachlexikon in das Reich der Neurobiologie und Psychiatrie :o)


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