Don Winslow: Bobby Z

verfasst am 18.06.2011 von | 1 Kommentar
Rubriken: Thriller, Winslow, Don

Bobby Z ist zwar tot, aber er kann Tim Kearny noch das Leben retten. Weil die beiden einander so verdammt ähnlich sehen, soll Tim in die Rolle des Verstorbenen schlüpfen und damit sich selbst auch einen großen Gefallen tun.

Einfach und überschaubar klingt dieser Plan: Tim hat im Gefängnis gerade einen Hells Angel ins Jenseits befördert, da klopft die DEA bei ihm an und macht ein verlockendes Angebot. Der legendäre Drogenverteiler Bobby Z hat leider seine eigene Verhaftung nicht überlebt (ein Herzinfarkt, oder so etwas in der Art soll es gewesen sein), und jetzt will einer seiner Drogenkollegen ihn unbedingt zurück haben – im Austausch gegen einen Agenten der DEA, der den Gangstern in die Hände gefallen ist.

Sieht nach einer tollen Sache für Tim aus: er schlüpft schnell einmal in die Rolle des Bobby Z,  erledigt den Job für die DEA, kommt nachher frei, ist seine Haftstrafe los und auch vor der Rache der Hells Angels sicher – eine WIN-WIN-Situtation nennt man das … na ja, wers glaubt!

Beim vereinbarten Austausch fliegen auf einmal nur so die Kugeln durch die Gegend, Tims DEA-Kontakt verliert seinen Kopf  (also wirklich, nicht nur sprichwörtlich), und Tim ist, bevor er richtig über das alles nachdenken kann,  mitten drinnen in Nest der Drogenhändler – eine Art orientalischer Palast mitten in der Wüste an der Grenze zu Mexiko. Dort hat man Tim/Bobby Z nach Austausch hingebracht – zugegeben, das ist ein äußerst komfortabler Ort, die Frauen schauen toll aus, Swimming-Pool, Tennisplätze, alles da –  aber was hat er davon, wenn in schon bald tot sein wird?

Denn es ist eine verzwickte Lage für Tim und zwei Sachen beschäftigen ihn vor allem: da ist einmal der 6-jährige Junge, der glaubt, dass er wirklich Bobby Z ist und damit sein Vater. Und dann der Drogenboss, der in ein paar Tagen hier erwartet wird und Bobby Z nur gegen den Polizisten austauschen wollte, um ihn selbst und eigenhändig umzubringen. Nicht zu vergessen die Polizei, denn die will ja auch noch, dass Tim seine Rolle als Bobby Z zu Ende spielt. Ach ja, und natürlich auch noch die Hells Angels, die sich wirklich sehr über den Tip gefreut haben, wo Tim Kearny zu finden ist und ein paar Gangs, die hinter ihm her sind…

Aber Tim hat nicht nur ein paar Jahre Knast hinter sich, sondern auch bei den Marines im Irak ein Verdienstkreuz bekommen – ein Weichei ist er also nicht, echt nicht. Ob das reicht ist eine andere Frage, denn immerhin hat er jetzt die Chance als Bobby Z ODER als Tim Kearny gekillt zu werden.

Nichts für zart Besaitete!

Handlung und Sprache sind Action und dabei nimmt Don Winslow keine Rücksicht auf sensible Menschen. Wenn eine Kugel den Kopf auseinander reisst, dann stehts da, wenn Sex angesagt ist, dann auch. Wenn Tim so cool sein will, wie es Bobby Z einst war, dann wird er wirklich COOL. Redet cool, denkt cool und macht auch lauter so coole Sachen.

Und weil das alles so cool ist, braucht man nur ein paar Zeilen zu lesen und ist schon mitten drin in der rasanten Story. Von Anfang an ist alles dabei, was man für ein ordentliches Lesevergnügen (vielleicht am Strand?) braucht: Action, Humor, Spannung, Sonne, Kalifornien. Typisch Winslow.



RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag 1 Kommentar


  • Kommentar von  Annette am 12.09.2011 um 14:29 Uhr Uhr

    Ein echter Reißer
    Sehr ambivalent blicke ich auf diesen Lese-Ausflug zurück. Einerseits finden sich auf knapp 300 Seiten gefühlte 400 absurde Zufälle, die dem Helden immer wieder aus der Bredouille helfen, andererseits gelingt es trotz aller Vorhersehbarkeit der Handlung kaum, das Buch aus der Hand zu legen. Es könnte ja dann doch immer noch anders kommen, als man denkt. Das tut es letztlich dann doch nicht, aber auf dem Weg dahin vergeht die Zeit wie im Fluge.
    Fazit: Aggressiv-dynamischer Schreibstil meets Peter Sellers als Chuck Norris.

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