Filzmaier, Peter: Der Zug der Lemminge

verfasst am 22.01.2011 von | 1 Kommentar
Rubriken: Filzmaier, Peter, Politik

Na super: wenn ich gewusst hätte, wie schlecht es mir morgen gehen wird, wäre ich heute nicht aufgestanden.  Jedenfalls erklärt uns Peter Filzmaier, wie schlecht es uns heute geht und wie viel schlechter es uns morgen gehen wird. Das kann schon deprimieren!

Unter dem Untertitel „Heute stehen wir am Abgrund, morgen sind wir einen großen Schritt weiter“ geht Filzmaier mit so ziemlich allem ins Gericht, was wir aus unserer (österreichischen) Gegenwart kennen, lässt dabei aber auch – natürlich, könnte man sagen – kein gutes Haar an der Welt ausserhalb unserer Grenzen.

Von der Wirtschaftkrise bis zum Griechenland-Paket, von der Neidgenossenschaft bis zum Beharrungsvermögen der Österreicherinnen, die sich mental gesehen noch in den 1970er-Jahren oder noch weiter zurück aufhalten. Benachteiligung der Frauen, Parteien, PolitikerInnen, rechte Parteien, Föderalismus, etc. etc.:  Es gibt kaum etwas, das diesem Buch entkommt.

Im ersten Kapitel dachte ich, dass in dieser „Einleitung“ zuerst einmal ein Rundumschlag statt findet, bei dem die – und da hat er schon recht – zahllosen Mißstände in unserem Land aufgezeigt werden. Dann kam das zweite Kapitel, das sich lt. Überschrift der Wirtschaftmisere widmen sollte, und weiter ging es mit dem Hau-drauf. Jeder Absatz ein neues Thema, neue Schuldige. Noch immer glaubte ich, denn noch einige Kapitel folgen, dass nach dem Aufzeigen so etwas wie Lösungen, Alternativen,  Ansätze zur Verbesserung kommen würden – aber leider Fehlanzeige. Dazu kommt, dass sich unter einer Kapitelüberschrift auch immer wieder Themen finden, die damit nur wenig bis gar nichts zu tun haben – da sind dem Autor wohl mehrmals die Gäule durchgegangen.

Seitenweise wird abgewatscht, so vieles, dass man dabei schon bald den Überblick verloren hat. Aber dann, ganz zum Schluß, gibt es „10 Lösungsgebote anstatt eines Schlußwortes“. Ein Glück, denn noch ein paar Seiten mehr und ich hätte mir im Baumarkt einen schönen, reißfesten Strick gekauft und mich daran…

Lösungsansätze, die aber allesamt nicht wirklich neu sind. Gut, zuvor hat er auch schon den Widerspruch zwischen Reden und Handeln angeprangert und eine Wiederholung von Alt-Bekanntem kann wohl nicht  schaden, wenn es richtig und notwendig ist. Doch erneut verstecken sich die Lösungen hinter Watschen. Wissenschaftlicher Anspruch, intellektuelle Brillanz, Erklärungen und das Aufzeigen von Ursachen oder schlicht und ergreifend sprachliche Rafinesse bleiben bis zum Schluß die großen und schmerzlich vermissten Abwesenden.

Neben diesen schon bald ermüdenden Rundumschlägen fand ich auch einiges, bei dem sich mir der Magen umgedreht hat. Wenn zB. das Trinkgeld für einen Tapezierer mit der Bestechung eines Beamten gleich gestellt wird, dann glaube ich, ich bin im falschen Kino.

Wenn ich es positiv betrachten will, dann ist meine Annahme, dass Filzmaier warnen und aufzeigen wollte – da er aber auch Wissenschaftler ist, hätte er das auch mit intellektuellen Ansätzen und konstruktiven Ideen weiter entwickeln können. Betrachte ich es negativ, dann habe ich gerade ein Buch gelesen, mit dem sich jemand seinen Frust und Zorn von der Seele kotzen wollte, aber mit Lösungen und Verbesserung gar nichts am Hut hat – das ist dann so wie am Stammtisch, nur etwas runder formuliert. Noch negativer?  Raunzen sells!

In allen Fällen: eine herbe Enttäuschung – die Rolle des Mahners der Nation hat Filzmaier damit nicht bekommen, seinem Ruf als angesehener Wissenschaftler keinen guten Dienst erwiesen. Wenn ich das nächste Mal Lust habe, mir so etwas zu Gemüte zu führen, dann schaue ich mir die Sendung „Hohes Haus“ an, da gibt es zwischendurch wenigstens etwas zu lachen.

PS zur Klarstellung: mit dem Aufgezeigten hat er natürlich recht, zumindest soweit es ohne Detailkenntnisse zu beurteilen ist.

PPS: im Vorwort steht, es wären dies die „Privaten Ansichten“ des Autors. Wie soll das denn zu trennen sein? Der ECOWIN-Verlag hätte dieses Buch wohl kaum veröffentlicht, hieße der Autor „Max Mustermann“.


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  • Kommentar von  Johanna Miller am 04.04.2011 um 11:09 Uhr Uhr

    Der Mann ist ein Dummschwätzer der übelsten Sorte, eine „Rent-a-quote“-Maschine, die zu allem ihren Senf entgeltlich dazugibt, ein Laberaffe, der zu allem eine Meinung und von nichts eine Ahnung hat, ein Experte für „eh-alles“ und einer der Gründe, weshalb der öffentlich-rechtliche Rundfunk, wie hier so schön dargestellt, (http://karinkoller.wordpress.com/2011/03/18/warum-ich-das-radio-an-die-wand-werfe/) kaum mehr zu ertragen ist. Ein Buch von dem gehört in die Top Hundert der Dinge, die niemand braucht.

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