Pittler, Andreas - Verdel, Helena: Der große Traum von Freiheit - 30 Rebellen gegen Unrecht und Unterdrückung

30 Rebellen gegen Unrecht und Unterdrückung.

Pittlers historische Romane rund um den Polizeioffizier Bronstein, der in der Zwischenkriegszeit auf Mörderjagd geht, wurden im Blog wiederholt besprochen und auch (zu Recht) bestens bewertet. Mit dem aktuellen Band „Der große Traum von Freiheit – 30 Rebellen gegen Unrecht und Unterdrückung“, den Andreas Pittler zusammen mit der Publizistin Helena Verdel gemeinsam verfasst hat, wird nun rein historisches Terrain betreten.

Von den Bauernkriegen bis hin zu den Aufständen der Neuzeit behandeln die Autoren vor allem Freidenker und Visionäre, die abseits der allgemeinen Bekanntheit stehen. Bewusst wurden Andreas Hofer oder Che Guevara ausgeklammert, um Personen wie Cabral oder Sankara einen Beitrag zu widmen. Auch Frauen, deren revolutionäre Kraft bis in die Zeit der französischen Revolution zurückreichend dargestellt wird, werden hier entsprechend gewürdigt.

Besondere Erwähnung sollte der Umstand finden, dass auch die Reformbewegungen den afrikanischen Kontinent betreffend nicht zu kurz kommen, die Autoren also wirklich versucht haben, wenig bis gar nicht bekannte Tatsachen der jüngsten Zeitgeschichte unter das Volk zu bringen, und das in einer wirklich spannend zu lesenden Art und Weise, die zwar einen Diskurs über Alternativen zum heute geprägten Weltbild eröffnen, aber nicht polemisch oder belehrend wirken.

Alle dreißig Rebellen, deren Verdienste, wie auch deren Scheitern hier zu schildern, würde den Rahmen sprengen und muss der Lektüre des Werks vorbehalten bleiben. Soviel nur zur Person des Jan Hus, bzw. seines nachfolgenden Parteigängers, des hier beschriebenen Jan Zizka: Vom Schulunterricht hängen geblieben sind neben dem ersten Prager Fenstersturz vor allem die Tatsache, dass die „bösen“ Hussiten bis nach Wien kamen und dabei unsere Heimatstadt bedrohten.

Kein Wunder wenn man bedenkt, dass die Tschechen damals von einer kleinen, zumeist deutsch sprechenden Oberschicht inklusive des Klerus unterdrückt wurden und man ihnen die eigene Identität abzusprechen versuchte. Dass auch dieser  Traum geplatzt ist, platzen musste, lag wohl daran, dass die meisten Aufständischen – sobald sie ihren Zielen nahe schienen – zum Frieden und zur Aussöhnung  tendierten, während die nur kurz in die Schranken verwiesenen Potentaten, sobald sie wieder Oberwasser spürten, sämtliche Zugeständnisse zurücknahmen, Verträge brachen und mit brutalster Rache zurückschlugen (so erlangt man auch einen Einblick in die Jurisprudenz vergangener Tage, die stets von Demütigung und Folter begleitet war). So geschieht es, dass Geschichte regelmäßig aus der Sicht der Sieger geschrieben wurde und das auch bis in die jüngste Zeit so unterrichtet wurde (oder gerade heute so wird).

Kurzum,  ein optimales Weihnachtsgeschenk für diejenigen, denen die von den üblichen Massenmedien gelieferte Darstellung, wie die Welt zu funktionieren hat, nicht genügt. Für diesen Personenkreis wird sich im Programm des Promedia Verlags sicher noch der ein oder andere interessante Titel finden.



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