Kühn, Dieter: Ich war Hitlers Schutzengel

verfasst am 03.07.2010 von | 1 Kommentar
Rubriken: Kühn, Dieter, Kurzgeschichten

4 Fiktionen sind es, die Dieter Kühn rund um das Böse, das in Person des Führers des 1000jährigen-Reiches im vergangenen Jahrhundert Europa und die Welt heimsuchte, erzählt. Was wäre geschehen, wenn, dazu gibt es schon eine ganze Menge von Bücher und Geschichten – diese Fiktionen erzählen anhand realer Personen und Ereignisse, wie die Geschichte hätte verlaufen können.

Ware wäre geschehen, wenn das Attentat von Georg Elser im Bürgerbräukeller in München kurz nach dem Überfall auf Polen gelungen wäre, wenn die Bombe im Flugzeug, das Hitler Anfang 1943 von der Ostfront zurück ins Führer-Hauptquartiert brachte, doch explodiert wäre.

Und wir erfahren, in der „Titelstory“,  vom Schutzengel, dem Hitler als Schutzbefohlener zugeteilt wurde. Noch Jahrzehnte nach Ende des Krieges nagt er an ihm, dieser Zwiespalt zwischen seiner Pflicht als Schutzengel und den katastophalen Folgen für Millionen von Menschen, die das Weiterleben von Hitler mit sich brachte.  Er hatte einen Auftrag, den er erfüllen musste, einen Auftrag, der ihm von höchster Stelle übertragen worden war. Unerklärlich zwar, denn wer war eigentlich dafür verantwortlich, dass Hitler einen Schutzengel zugeteilt bekam und so lange überlebte, aber doch gab es ihn, diesen Auftrag und den mußte er nun erfüllen.

Passend zu der allgemeinen Position „man habe ja nur Befehle befolgt“ reiht sich somit auch der Schutzengel ein in die unübersehbare Menge der Befehlsempfänger. Kritischer zwar als der Durchschnitt, man ist ja immerhin Engel und daher dem Guten verpflichet, aber eben doch – Auftrag ist Auftrag (dann heisst das in diesem Fall wohl „Auftragsnotstand“ ?).

Ausgehend von historischen Tatsachen schreibt Dieter Kühn alternative Geschichte, die auf den damaligen Realtitäten basiert: wie wäre es weiter gegangen unter einem Reichskanzler Göring, zu welcher Art von „Frieden“ wäre es unter einem Nachfolger Rommel gekommen?

Alles Theorie, denn es gab ja den Schutzengel, der seine Arbeit einfach perfekt erledigte und erst aufgeben musste, als Hitler im Führerbunker Selbstmord beging, denn auch Engel stoßen an ihre Grenzen.

Fakten und detaillierte Informationen verschmischen sich mit Erfundenem:

– Der von Selbstmitleid geplagte Schutzengel erzählt, wie es wirklich war, wie Hitler es schaffte, so viele Anschläge zu überleben.
– Die fiktiven Szenarien der gelungenen Anschläge scheinen so, als wären sie tatsächlich passiert (eine „fiktive Dokumentation“).

Eine Tagebuch der möglichen Realitäten kommt am Ende heraus, das sich  in ein paar Abschnitten für meinen Geschmack etwas zu sehr in lange Formulierungen verliert. Im Stil einer Dokumentation verfasst, verschwimmt alles zu einer Art von Satire und am Ende, in der vierten Erzählung,  zu einer „Satire in der Satire“.  Teils spannend zu lesen, durchgehend fantasievoll erdacht, aber ich hatte das Gefühl, dass es unkomplett ist – was aber auch bedeutet, dass man selbst weiter denken kann.

Links mit weiter führenden Informationen:

Georg Elser
Henning von Tresckow



RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag 1 Kommentar


  • Kommentar von  lorem42 am 16.07.2010 um 14:59 Uhr Uhr

    Die „Was wäre gewesen wenn…“ Szenarien sind interessant und spannend, obwohl ich als Laie nicht abwägen kann, wie wahrscheinlich die tatsächliche Entwicklung der Dinge nach den entsprechend erfolgreichen Attentaten gewesen wäre.

    Auch Literatur ist Geschmackssache, und so finde ich den Teil mit dem Schutzengel überflüssig, das Grundthema um den Zwiespalt zwischen Auftragsgehorsam und eigenem Verstand so alt wie die Menschheit. Diesmal einfach im Deutschen „Trauma-Thema“ schlechthin eingewickelt. Den Teil habe ich nach wenigen Seiten übersprungen… was ich selten mache!

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