Niavarani, Michael: Vater Morgana

verfasst am 24.01.2010 von | 3 Kommentare
Rubriken: Humor, Niavarani, Michael

Eine persische Familien-Saga rund um den Globus. Wobei die Unterscheidung zwischen Perser (das sind die Guten, die mit der jahrtausendealten Geschichte, die, die Alexander der Große so  fürchterlich bei Issos verhauen hat) und Iraner (das sind die anderen, die mit der Revolution und dem Ahmadine..dings) von herausragender Wichtigkeit ist.

In der persischen Familie Ansari geschieht ein Unglück, das die in alle Welt verstreuten Onkel, Tanten, Nichten und Neffen vor ein schier unlösbares Problem stellt. Martins (Martin ist der Erzähler im Buch – also eigentlich der Michael) Vater ist gestorben, am Weihnachtstag in Wien in seinem Teppichgeschäft.

Die Nachricht von seinem Tod teilt die Familie in zwei Lager: die einem meinen, man müsste es der Großmutter schonend aber schnell mitteilen, die anderen finden, man sollte es ihr verschweigen. Und zwar ganz und für immer, denn diese Nachricht würde auch sie umbringen.

Am Ende entscheiden sich alle gemeinsam für die Lösung „Verschweigen“.

Zwar wohnt die Großmutter in den USA, also wenigstens nicht gleich ums Eck, aber die Angewohnheit der Familie, jederzeit Kontakt über Telefon, SMS, Skype oder durch persönliche Besuche untereinander  zu halten, macht es nicht leicht etwas zu verheimlichen. Also wie soll man es angehen? Als ob alles nicht schon kompliziert genug wäre, taucht dann auch noch ein Brief der Großmutter an Martins verstorbenen Vater auf und damit ist die kommende Katastrophe bereits vorprogrammiert und anscheinend unabwendbar.

Wir erfahren eine ganze Menge über die Familie, die Eigenheiten der Mitglieder dieser Familie, wo sie herkamen, wo sie hin gingen, wie sie leben, wie sie sprechen und denken. In einer Form, die sich liest, als ob Michael Niavarani mit seinem zum Diktiergerät umfunktionierten iPod auf- und abläuft (in der Wohnung, auf der Strasse, auf der Bühne, im Auto oder wo auch immer) und dabei die ganze Geschichte ins Mikrofon spricht (kann sich das jetzt jemand bildlich vorstellen?).

Und dann, als die Geschichte fertig auf Band/Festplatte/Chip gesprochen ist, bekommt es jemand zum Abschreiben, übernimmt alles wörtlich und macht daraus das Buch. So in etwa liest es sich dann: da eine kleine Nebengeschichte, dort ein Abschweifen zu etwas ganz Anderem, zwischendurch Deutsch mit persischem Akzent.

Insgesamt ist es aber keine Aneinanderreihung von einzelnen Sketches, das nicht. Es ist eine sehr einnehmende Familiengeschichte die sich auch noch spannend liest.

Leider ist es mir noch immer nicht klar, lieber Herr Niavarani: sind das jetzt echte Menschen (mit anderen Namen) und erfundene Geschichten; oder erfundene Menschen mit echten Geschichten; oder nix ist wahr; oder alles?

Aber es macht sowieso nichts: mehr als 300 Seiten lang den Niavarani sein eigenes Buch lesen zu hören, das geht in diesem Fall auch ohne ein Hörbuch. Er schreibt so wie er spricht und beim Lesen liest man nicht, sondern hört zu. Sehr Nett! Wenn man schon keine Karten fürs Simpl bekommt, dann ist Vater Morgana wenigstens  ein fast gleichwertiger Ersatz dafür.

Und jetzt wird es kompliziert für die nicht-österreichischen Literatur-Blog-LeserInnen: denn wer den Niavarani nicht kennt, der/dem kann man es nicht wirklich gut erklären. Ein Österreicher  eben, mit persisch-österreichisch-und-auch-sonst-überall-her Wurzeln, der redet wie ein Wasserfall und dabei fallen im Zuschauerraum die Leute von den Sitzen vor lauter Lachen. (und nein: der Kaya Yanar ist zwar auch gut, aber ganz anders. )


RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag 3 Kommentare


  • Kommentar von  Romy Gollner am 23.02.2015 um 20:28 Uhr Uhr

    Dadurch das ich eine Viertelperserin bin habe ich viele „Argumente“ bzw. Aussagen über das Gehalten der Perser sehr gut nachvollziehen können. Das Buch ist total witzig und ich würde es jedem empfehlen der die Perser und ihre Geschichte etwas näher kennen lernen will!

  • Kommentar von  Silvia am 19.12.2014 um 08:30 Uhr Uhr

    Das Buch ist genial. Das es aber kein Hörbuch gibt finde ich extrem schade.Zum einen hat er eine total angenehme Stimme zum anderen, und das ist halt wirklich der Grund warum ich es so bedauere, mein Vater ist in den letzten 6 Monaten erblindet dh mit Lesen ist da nicht. So gesehen wäre ein Hörbuch wirklich nett. Aber Man gibt die Hoffnung ja nicht auf ;o) . In diesem Sinne LG und danke für die tolle Buchbeschreibung, ich selber finde das Buch ja wirklich suuuper gelungen.

  • Kommentar von  Zdenka Havlova am 17.06.2010 um 17:03 Uhr Uhr

    Danke für das Buch, habe mich amüsiert und lese das zweites mal.
    Bin nicht in Österreich in die Schule gegangen. Bin bömische abstammung und meine Sönne breiten sich auch in ganze Europa aus!
    Bin jeder kultur zugänglich, hasse Xenofobie.
    Mechte mich bai ihre Mutter, Tochter und Freundin bedanken, daß sie mit ihnen Geduld haten, weil sie für sie zu wenig Zeit wehren des Schreibens haten. Es ist eine sehr amüsantes Buch. Man must lachen, weinen und dabei auch etwas über andere kultur erfahren.
    Noch mal dank und schreiben sie weiter.

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