Martin Suter: Der Koch

verfasst am 29.01.2010 von | 1 Kommentar
Rubriken: Romane, Suter, Martin

Das Buch ist fertig gelesen, aber am Ende weiß ich nicht so recht, was davon zu halten ist. Zuerst einmal das, was ausser Zweifel steht: im Zentrum der Geschichte steht Maravan, Tamile und Asylwerber in der Schweiz.

Sein Beruf und seine Berufung ist Kochen, doch weiter als bis zum Küchengehilfen in einem der angesagten Restaurants der Stadt lässt ihn sein Status als Asylwerber nicht kommen.  Seine Arbeitsstelle  hätte er wahrscheinlich noch lange behalten können, wäre da nicht Andrea in sein Leben geplatzt, die im Service des selben Restaurants arbeitet und allen Angestellten der Kopf verdreht.

Der einzige, der in den Genuß eines abendlichen Treffens mit ihr kommt, ist Maravan, obwohl die Umstände die dazu führten, im Grunde genommen überhaupt nichts mit Romantik zu tun hatten.

Maravan kocht, Andrea genießt das Essen und im Anschluß auch noch Maravan, obwohl sie doch eigentlich überhaupt nichts mit …(dieses „uberhaupt nichts“ sollte man dann selbst lesen).

Kurz und gut: kurz darauf sind beide ihre Job los. Für Andrea, die lange Zeit nicht weiß, wie sie es überhaupt zu dem nächtlichen Abenteuer mit Maravan kommen lassen konnte, bleibt zum Schluß nur eines über: es war das Essen, das Maravan zubereitet hatte. Das ließ sie ihre eigenen Grenzen überschreiten.

Love Food wird geboren. Andrea und Maravan bieten dieses ganz spezielle Service für gut zahlende Kunden an, die sich davon neue, erotische Perspektiven erwarten und niemals enttäuscht werden. Maravan kocht, Andrea sorgt für das Ambiente und das Service.

Die Geschichte spielt von März 2008 bis April 2009, also in jenem Zeitraum in dem gerade die Weltwirtschaft am Rande des Abgrundes stand und auch sonst noch einiges schief gelaufen ist. Vom Zusammenbruch von Lehman Brothers über die Steuerhinterziehungsaffäre in Liechtenstein, die Verschiebung von Atomtechnologie in den Iran, die politischen Wirren in Paktistan bis zum Elend der Menschen auf Sri Lanka – all das liefert gewissermaßen den historischen Rahmen für Love Food und hat auch hie und da direkten Einfluß auf das Geschehen.

Literarische Kniffe waren von Martin Suter nicht zu erwarten, dafür aber ein Spannungsbogen, der sich über kurze und prägnante Sätze legt. Das aber fehlt mir: es sind viele kurze Kapitel, da eine Nebengeschichte, dort ein Ausflug in die Wirtschaftkrise, da die Verzweiflung von Maravan, der seiner Familie auf Sri Lanka nicht wirklich helfen kann, dort ein tamilisches Mädchen, dass sich nicht den alten Familientraditionen unterordnen will. Es geht hin und her und dabei kommt kein Gefühl auf, kein Mitgefühl, keine Spannung.

Es tröpfelt, ist flüssig zu lesen (wegen der kurzen Sätze und Kapitel) und meistens auch verständlich – außer es geht um die Beschreibung exotischer Speisen oder um schweizerische Spezialausdrücke.

Ingesamt: tendenziell enttäuschend, habe schon Besseres von Suter gelesen.



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