Slupetzky, Stefan: Der Fall des Lemming

verfasst am 10.01.2009 von | 5 Kommentare
Rubriken: Kriminalromane, Slupetzky, Stefan

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Wallisch Leopold, mit Spitznamen „Lemming“ wurde vom Wiener Polizeidienst entlassen. Dafür verantwortlich war sein karrieresüchtiger Kollege, der Krimineser Krotznig, der mit dem grauenhaften, potthässlichen, knarrenden Ledermantel.

Nach seiner Entlassung aus der Mordkomission findet der Lemming einen Job als Privatdetektiv, spezialisiert auf ehebrechende Männer und Frauen. Nicht gerade ein beruflicher Aufstieg. Während einer Beschattung wird der Lemming Zeuge eines Mordes. Der Tote im Wienerwald ist der fiese, allerdings bereits pensionierte Lateinprofessor, der Grinzinger. Dieser hat durch Mithilfe eines Unbekannten das Zeitliche gesegnet. Der Professor, der in seiner aktiven Ausübung seines Lehramtes seine SchülerInnen ziemlich malträtiert haben dürfte, hat sich sicherheitshalber selbst von Lemming beschatten lassen. Er dürfte geahnt haben, dass jemand Rache übt.

Lemming beschließt diesen Fall auf eigene Faust zu lösen, gerät dadurch mehr als einmal in Konflikt mit seinem Exkollegen, dem Oberbullen Krotznig. Beide geben sich einem Wettlauf der Aufklärung hin. Und nicht nur das, auch die verbalen Auseinandersetzungen, diese schön-wienerischen Wortgefechte sind absolut unterhaltsam. Daneben gibt es einen ganz anderen Schauplatz, ein haschischöl-schmuggelnder Hund, namens Castro. Nun ja, und während sich das Kalb von Hund seinen Darm von Haschischölbeutelchen auf Lemmings Kopfpolster entledigt, dürfte mal so ein Beutelchen noch inwendig geplatzt sein – denn Castro war dann so richtig fidel…

Handlung nebenbei ist auch eine Liebesgeschichte, Lemming trifft auf seine Klara…

Diese unterschiedlichen Geschichten verbindet der Autor zu einem herrlich humorvollen Krimi mit Handlungsort Wien.



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  • Kommentar von  michae_la am 18.10.2009 um 18:39 Uhr Uhr

    vor monaten das buch gelesen – ausserordentlich gut gefallen!
    gestern den film gesehen – auch ausserordentlich gut gefallen!
    danke den schreiberlingInnen und macherInnen

    die schönen filmaufnahmen haben heimweh nach wien gemacht (und krotznigs gibts überall)

    von mir aus könnt – in 2 oder 3 jahren – auch noch das ein oder andere buch vom lemming verfilmt werden ((-;

  • Kommentar von  Klinger C. am 15.10.2009 um 14:40 Uhr Uhr

    Lieber Sündi!

    Dein Kommentar lässt meine Finger zucken und unaufhaltsam zur Tastatur greifen, also muss ich jetzt doch etwas von meinem Senf dazugeben ;-)):
    1. die mancherorts als überzeichnet und stereotyp bezeichnete Figur des Dr. Grinzinger hat, wie du richtig vermutest, ein reales Vorbild. Ich weiß das, genoss ich in der gleichen Schule wie Slupetzky genau denselben Lateinlehrer. Ich kannn nur sagen: Ja, der war so! So mancher Suizidversuch an unserer Schule wurde auf diesen Lehrer zurückgeführt.

    2. Haas ist sprachlich vor allem deswegen interessant, weil er sie (die Sprache) auf geniale Weise reduziert und dadurch extrem lebendig erscheinen lässt (der bissige humor ist für mich bislang von anderen eigentlich unerreicht). Slupetzky ist auch sprachlich (im Sinne vom sprachhlichen Mehrwert) interessant. Ein weit bildlicherer und zum Teil metaphorischer Einsatz eines geschliffenen Deutsch.
    3 Die Lemminge werden (für mich) immer besser!
    Liebe Grüße Christian

  • Kommentar von  Sündi am 14.10.2009 um 08:13 Uhr Uhr

    Der Buchhändler meines Vertrauens überreichte mir „Der Fall des Lemming“ mit den Worten, das ich ab jetzt den Namen Stefan Slupetzky in einem Atemzug mit Wolf Haas nennen werde.
    Eine wahrhaft große Ansage!
    Und dieser Mann täuscht sich fast nie – bei Büchern jedenfalls.

    Der Vergleich nach der Lektüre eines Bandes wäre unfair, auch unredlich, weil wie soll der Lemming diese unendliche siebenbändige Tiefe des Brenner schon nach 250 Seiten, sprich Ding der Unmöglichkeit.
    Also ist für mich nur der Vergleich mit dem ersten Brenner (Auferstehung der Toten) zulässig und da muss ich sagen, dem kann er das Wasser schon reichen.
    „Der Fall des Lemming“ ist absolut lesenswert, sehr guter Stoff – damit meine ich aber nicht den Inhalt von Castros Magen.

    Jetzt bin ich natürlich total gespannt wie sich die folgenden Bände lesen und ob der Slupetzky dem Haas auf dessen Everestniveau folgen kann.
    Weil damit eines klar ist: „ Der Brenner und der liebe Gott“ ist das Neue Testament und „Silentium“ das Alte.
    Aber neben der Bibel gibt es ja auch noch den Koran, den Talmud, das Kapital,…praktisch Platz genug für alle.
    Also alle dem Lemming nach, er kennt den Weg!

    Noch ein paar Worte zu dieser ewigen Plagiatsdiskussion.
    Der Haas schreibt von mir ab, der Slupetzky vom Torberg , die Inga Lindström von der Rosamunde Pilcher, Diplomanden von Dissertanten und umgekehrt.
    Der Grinzinger erinnert natürlich schon stark an Gott Kupfer aus dem Schüler Gerber.
    Vielleicht hatte ja der Slupetzky in der Schule ebenfalls so ein pädagogisches Prachtexemplar.

    Auch ich hatte Mittelschulprofessoren, die sich schon um 8 Uhr morgens mit dem lieben Gott verwechselt haben und trotz mehrmaliger Ermahnungen meinerseits (ich war der Klassensprecher) nicht von ihrem Verhalten abließen.
    Dies führte zu einem permanenten Kriegszustands zwischen einem Matheprofessor und mir und hatte schließlich zur Folge, dass der gute Mann zu Semester aus nervlichen Gründen ausgetauscht werden musste.
    Was können wir daraus lernen? Nun, dass es einfach keinen Sinn hat, sich mit einem Mann des Friedens anzulegen und ich glaube der Lemming ist auch so einer.
    Da kommt mir jetzt aber eine Idee!
    Wo schlummert bloß mein Schuljahrbuch?

  • Kommentar von  Andreas am 06.10.2009 um 15:40 Uhr Uhr

    Da ich das Buch vorher nicht gelesen hatte, war mir ein reiner Kinogenuss vergönnt – ganz ohne Vergleich mit dem Original.
    Was auf jeden Fall in Erinnerung bleiben wird: der Düringer – Slupetzy muss ihn schon als den Richtigen für die Verfilmung im Kopf gehabt haben, anders gibts das nicht, das sind nicht zwei, das ist nur eine Person – und eine grausliche dazu. Als (ehemaliger) Wiener kann ich es mir erlauben zu sagen: a typischa, tiafa Weaner Ungustl
    Den Film fand ich, so unbefangen, recht gut und unterhaltsam, jedenfalls wars keiner zum Einschlafen.

  • Kommentar von  Elke am 06.10.2009 um 15:30 Uhr Uhr

    Nun jetzt haben wir den Salat! Slupetzkys literarischer Erguss wurde verfilmt. Mit geht es ja meist so, wenn gute Bücher verfilmt werden. Praktisch manchmal enttäuschend. Der Film, naja, Slupetzkys Sprache konnte irgendwie nicht reingepackt werden. Aber für einen gemütlichen Abend allemal ok. Castro war auch fidel! Und die Fleischhauerei, die mit dem Fleischlaberl, kam aufgrund eines im Weg stehenden Verkehrsschild ganz gut rüber mit dem Namen „Leich()Wurscht“
    PS: Krotznig ist Düringer. Oder Düringer Krotznig?

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