Buchbesprechung/Rezension:

Seishi Yokomizo: Das Dorf der acht Gräber
Kosuke Kindaichi ermittelt (3)

Das Dorf der acht Gräber
verfasst am 25.06.2024 | einen Kommentar hinterlassen

Autorin/Autor: Yokomizo, Seishi
Genre: Kriminalromane
Buchbesprechung verfasst von:
LiteraturBlog Bewertung:

Die Gestaltung des Buchcovers erinnert mich an die Edgar Wallace-Krimis, der ganze Stil des Romans dann noch mehr; und natürlich ist auch der Buchtitel der deutschsprachigen Übersetzung so etwas wie eine Wallace-Reminiszenz.

Die Story führt zurück ins Jahr 1946 in Japan und von da noch weiter zurück bis in die Zeit der Kriege zwischen den regionalen Fürsten.

In einem dieser Kriege zwischen den streitenden Reichen vor mehr als 400 Jahren liegt der Ursprung all dessen, was in diesem Roman passiert. Acht Samurai konnten damals dem Gemetzel entkommen, in dem ihr Heer unterging und flüchteten in ein abgelegenes Dorf in den Bergen. Zuerst fanden sie dort Unterschlupf, doch dann töteten die Dorfbewohner die Samurai, einerseits aus Angst vor deren Verfolgern und andererseits, um sich das Gold der Flüchtlinge anzueignen. Doch das Gold blieb verschwunden, nur der Fluch, mit dem der sterbende Anführer der Samurai das Dorf nach dem Verrat belegte, blieb haften, und fortan hieß es  „Das Dorf der acht Gräber“.

In der Gegenwart des Romanes, eben im Jahr 1946, erfährt ein junger Mann in Kobe, dass er der Sohn eines Mannes ist, der sechsundzwanzig Jahre zuvor im Dorf wie im Wahnsinn unzählige Menschen tötete und danach spurlos verschwand. Nun ist Tatsuya Terada der letzte Nachkomme, der die Tradition und das Vermächtnis der Familie Tajimi weiterführen kann und soll. Tatsuyas Reise in das Dorf und der Aufenthalt dort sind von Todesfällen und anonymen Drohungen überschattet. Sein Großvater, sein älterer, schon dem Tod geweihter Bruder und viele andere sterben und alles scheint mit dem verschwundenen Gold und Tatsuyas Vater zusammenzuhängen.

Vor Ort ist auch der legendäre Detektiv Kosuke Kindaichi, dem allerdings niemand zutrauen würde, solche einen Fall zu lösen. Außer denjenigen, die den seltsam aussehenden Detektiv bereits kennen: die sind fest davon überzeugt, dass er dazu in der Lage ist. Ungeklärt bleibt, warum Kindaichi in das Dorf kam. 

Zwar tritt der Detektiv über weite Strecken zunächst nur gelegentlich auf, doch – das kann man verraten – am Ende ist er derjenige, der die Lösung präsentiert.

In Kindaichis Arbeitsweise lassen sich durchaus Parallelen zu einigen seiner berühmten Kollegen finden. Von Columbo bis Sherlock Holmes und Hercule Poirot: Kindaichi ist wie diese ein Detektiv, der auf die winzigen Details achtet, die andere meist übersehen.

Ein Krimi, der zugleich auch Geistergeschichte und Fantasy-Abenteuer ist. Eine wunderbar gut gelungen genreübergreifenden Mischung aus Kriminalfall in der Realwelt und scheinbar übersinnlichen Ereignissen.

Die Handlung ist überaus detailreich, ja beinahe akribisch aufgebaut. Immer wieder findet man darin zu etwas zurück, von dem man ein paar Seiten oder Kapitel zuvor gelesen hat und erfährt nun eine erste Erklärung dazu. Wobei man sich nicht darauf verlassen sollte, dass Seishi Yokomizo es seinen Leserinnen und Lesern allzu leicht macht. Denn wenig später könnte sich das bereits als geklärt erscheinende als das genaue Gegenteil herausstellen.

Was zunächst ein wenig den Lesefluss unterbrechen könnte, das sind die japanischen Namen und Begriffe. Dazu aber, worüber ich sehr froh bin, gibt es ein Personenregister (am Anfang) und ein Glossar (am Ende); beides überaus hilfreich.

Nachdem also nach ein paar Abschnitten dieses „sprachliche“ Problem im Griff ist, ist das Vergnügen beim Lesen nun völlig ungetrübt. Man merkt dem Roman zwar an, dass er vor mehr als 50 Jahren erschien, man könnte wegen des Stils und der Wortwahl vermuten, er wäre sogar noch früher, gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstanden. Genau das aber ergibt die richtige Atmosphäre für diese – siehe oben – Krimi/Fantasy-Mischung. Darin finden sich dann auch Einblicke in die japanische Kultur, die Gepflogenheiten und Traditionen, die Umgangsformen und Lebensweise der Menschen in Japan und vor in allem das sehr fremdartige Verständnis für die Rollen von Mann und Frau.

Sehr raffiniert konstruiert, löst sich am Ende alles geradezu logisch auf. Überraschungen inklusive.

Alles zusammen ergibt das einen gleichermaßen interessanten und spannenden Roman, den ich nur wärmstens empfehlen kann!




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