Buchbesprechung/Rezension:

Romina Pleschko: Ameisenmonarchie


verfasst am 08.02.2021 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Pleschko, Romina, Romane
LiteraturBlog Bewertung:

Die Autorin hat ihren Roman in kurze, „menschliche“  Kapitel eingeteilt. Jedes Kapitel erzählt von einer/ einem der Protagonisten und schildert die Lebenssituationen, die Eigenheiten, die Befindlichkeiten, die Nöte dieser Menschen.

Romina Pleschko beschreibt das Geschehen abschnittsweise mit einem Augenzwinkern, sie schreibt in einer Sprache, die ich manchmal als „salopp“ und manchmal sogar als etwas „vulgär“ empfinde. Das passt aber insgesamt zum Thema dieses Buches.

Schauplatz des Romanes ist ein Wohnhaus, in dem so etwas wie ein Abbild der Gesellschaft (zufällig, wie es in Wohnhäuser eben ist) zusammenlebt.

Ein Überblick über die Hauptdarsteller:

Zunächst die Familie Herb: Herb Senior ist Gynäkologe und hält sich für eine Koryphäe – vielleicht ist er das ja auch. Er nähert sich dem Ende seines beruflichen Lebens, als er  eines  Tages nach  einem Schlaganfall darnieder liegt. Magdalena, seine Frau, weiß nicht, was sie will und wozu sie da ist. Sie ist ziemlich realitätsfremd und verliert sich zusehends in ihrer eigenen Welt. Das Leben der beiden ist schon längst ein Nebenher anstatt eines Miteinander geworden. Herb Junior, der als Gynäkologe in die Fußstapfen des Vaters tritt, obwohl er nur Abscheu für seinen Beruf und für seine Patientinnen empfindet. Fehlt noch die Tochter, die nicht mehr in der gemeinsamen Wohnung lebt und sich nur meldet, wenn es ihre angespannte finanzielle Situation erforderlich macht.

Im Haus lebt auch noch Klaus, ein Perversling, ein wirklich ungustiöser Typ. Eines Tages wird er Lotto-Millionär und genießt sein neues unverdientes Luxusleben. Er stalkt die Karin, eine weitere Bewohnerin des Hauses, auf widerwärtige Art. Karin ist Kosmetik-Verkäuferin in einem Kaufhaus und hadert mit ihrer Figur. Ihr zur Seite lebt ihre Tochter Helene.

Herb junior erlebt seinen Lebensfrust als Gynäkologe, er findet alle weiblichen Merkmale abstoßend, er ist schwul. Sein aktueller Liebhaber, Nationalratsabgeordneter der unwählbaren Partei (welche das wohl ist?) und ebenfalls Hausbewohner, ist auf dem Absprung aus dieser Beziehung, was wiederum Herb Junior in eine tiefe Depression treibt.

Überdies lässt sich der Nationalratsabgeordnete mit Karin ein (dieses Kapitel lässt mich doch etwas verwirrt zurück, da ich mir nicht sicher bin, welche Neigungen der Mann denn nun wirklich hat).

Romina Pleschko schildert alle diese Beziehungen so lebensnah, man meint, sich selbst mitten im Geschehen zu befinden. Ich ertappe mich tatsächlich recht oft dabei zu denken: „das kommt mir aber bekannt vor“ – so etwas ist in meinem Umfeld auch schon passiert, davon habe ich auch schon gehört.

Man durchlebt beim Lesen zwei ganz gegensätzliche Gefühlslagen. Einerseits ist es amüsant, man findet sich in einer Beobachterposition, die wohl der eines Zusehers von Reality-TV nahekommt (und unsere Neigung zum Voyeurismus bedient). Andererseits ist das gezeichnete Bild dieser vielen kaputten Typen auch deprimierend.

Alles zusammen ist es wahrlich ein Abbild vieler Lebenssituationen –  und genau deshalb sollte man das Buch lesen, weil es so nahe an dem ist, was auch in unsere Nähe, manchmal verborgen hinter geschlossenen Türen, manchmal ganz offensichtlich und öffentlich, geschieht.

PS: Was mich bei aller Wertschätzung hin und wieder ein bisschen gestört hat, das ist die manchmal doch recht „burschikose“ Art, in der der Roman geschrieben ist. Und weil es „Die Dinge des Lebens“ sind, von denen Romina Pleschko schreibt, hätte mir ein Buchtitel, der das etwas mehr beinhaltet,  auch ganz gut gefallen.




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