Buchbesprechung/Rezension:

Mario Schlembach: heute graben


verfasst am 14.03.2022 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Schlembach, Mario
LiteraturBlog Bewertung:

Über den Autor:
Mario Schlembach wurde am 21. November 1985 in Hainburg an der Donau geboren. Nach einer Weltreise studierte er Theater-, Film- und Medienwissenschaft sowie Philosophie und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Wien. Der österreichische Schriftsteller ist neben seiner literarischen Arbeit auch alsTotengräber tätig. „heute graben“ ist sein dritter Roman.

Über das Buch:
„heute graben“ ist das Tagebuch eines Totengräbers. Es besteht aus insgesamt 5 Heften.

Der Totengräber beschreibt sich selbst als Bauernhofbesitzer, Möchtegern-Schriftsteller und Totengräber. Zu Beginn sind seine Haare schulterlang und sein Bart ungepflegt. Seit seiner Trennung von A leidet er an Liebeskummer und vernachlässigt deshalb sein Äußeres. Um seinen Kummer zu bewältigen, beginnt er mit dem Tagebuchschreiben. Sein Wunsch ist es, sein Werk bei einem Buchverlag zu veröffentlichen.
Seine große Liebe A, die er in seinen Einträgen immer wieder erwähnt, lernte er bei einer Zugfahrt kennen.

Hier ein Beispiel von solch einem Eintrag:
„Statt mit dem Buch über A. – diesem furchtbaren Liebesschinken – voranzukommen, um die Geschichte endlich von mir wegzuschreiben, werden diese Aufzeichnungen mehr und mehr zu einem Krankheitsbericht. Exposé: Totengräber sucht Liebe und wird mit seiner eigenen Sterblichkeit konfrontiert. Zu makaber für Hollywood -Österreich sollte sich ausgehen.“

Er leidet unter Albträumen und ist gesundheitlich angeschlagen. Der Leser begleitet ihn bei den vielen notwendigen Untersuchungen, unter anderem auf der Lungenabteilung im Krankenhaus Hietzing. Womöglich leidet er unter Sarkoidose. Nach dem Besuch bei einem Arzt schreibt er: „Sein Behandlungsvorschlag klingt so, als wäre er direkt einer Bibel des Österreichischen entnommen: Nichts tun und hoffen, dass alles besser wird.

Immer wieder datet er Frauen, die er alphabetisch durchnummeriert. Dass er Totengräber ist, verheimlicht er bei den Treffen gerne. So trifft er B, C, D, E, … bis Z. Die Erfahrungen, die er bei diesen Begegnungen macht, werden kurz beschrieben. So war er zum Beispiel mit F zusammen: „Bei jeder etwas ruppigeren Aussage droht sie zu gehen und nie wieder zurückzukommen.“ Die Beziehung, wenn man sie als
solche bezeichnen kann, hielt nicht lange.

Bei all dem hat er einen doch recht hohen Alkoholkonsum und so manchen Filmriss,
für den er sich schämt.

Ob es am Ende zu einem Liebes- oder Genesungs-Happy-End kommt, werde ich hier nicht verraten. Über eine Fortsetzung des Romans würde ich mich aber freuen.

Mein Fazit:
„heute graben“ war mir sehr sympathisch. Ich mochte das Buch auf Anhieb! Das Lesen hat mir sehr viel Spaß bereitet. Ich wollte es gar nicht mehr weglegen.

Mario Schlembach schreibt sachlich, humorvoll und er kommt ohne Umschweife auf den Punkt. Die Formulierungen verraten einen sehr männlichen Blickwinkel, der mich oft amüsierte. Ich mochte seine Ausdrucksweise sehr und ich kann das Buch wirklich empfehlen. Die einzelnen Tagebucheinträge machen das Lesen recht angenehm. Perfekt auch für Zwischendurch.

Zusammengefasst ist das Buch in seiner Art sehr originell, lebensklug und einfach mal was anderes.
Der Einblick in das Leben und Arbeiten eines Totengräbers und dessen Gedanken- und Gefühlswelt hat auf jeden Fall meinen Horizont erweitert!




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