Henrik Siebold: Inspektor Takeda und die stille Schuld
Inspektor Takeda ermittelt, Band 5

verfasst am 24.02.2021 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Kriminalromane, Siebold, Henrik
LiteraturBlog Bewertung:

Ein neuer Fall und Beziehungsprobleme im Ermittlerteam. Nachdem sich ihre Beziehung schon bis zu einem gemeinsamen Urlaub entwickelt hatte, stehen nun die Vorzeichen für Claudia Harms und Ken Takeda auf Trennung. Nicht die besten Voraussetzungen, um gemeinsam in einem Büro zu arbeiten und gemeinsam ein Verbrechen aufzuklären.

Die Beziehungskrise zwischen Harms und Takeda zieht sich durch den ganzen Krimi. Autor Henrik Siebold lässt es aber nicht so weit kommen, dass die Arbeiter der beiden Hauptdarsteller seines Romanes darunter leidet.

Was wir, die Leserinnen und Leser wissen: jemand musste sterben, die anderen Toten waren gewissermaßen „Kollateralschäden“, wenn man es mit einem matrtialischen Ausdruck definiert. Was Harms und Takeda wissen: eine exklusive Seniorenresidenz in einem vornehmen Vorort Hamburgs wurde angezündet, die Bewohnerinnen hatten keine Chance, zu entkommen, acht Menschen sind tot. Vorerst acht.

Eine Tat ist ein Rätsel, zwei Taten (oder mehr) sind ein Muster. Nach einem weiteren Brandanschlag glauben Harms und Takeda ein solches Muster gefunden zu haben und auf einer Spur zum Täter zu sein; einem Täter, den an den man früher nicht einmal denken konnte.

Der neueste Fall des japanischen Inspektors und der Hamburger Kommissarin führt zu gleich zwei sehr aktuellen Themen: wie gehen wir mit unseren Alten und Pflegebedürftigen um und welche Rolle werden die Roboter in Zukunft auch in unseren privaten Lebensbereichen übernehmen.

Hamburg ist im Roman der Schauplatz eines Praxistests für einen Roboter, genannt „Lisa“, der autonom die Pflege von Menschen übernehmen soll. Ein Test, der von den erwartbaren Problemen begleitet wird: zum einen die Angestellten der Pflegeheime und der Pflegedienste, die um ihre Jobs fürchten und andererseits die Ängste, die eine solche Maschine bei den Menschen weckt, wenn unklar ist, über welche Fähigkeiten diese wirklich verfügt. Zugleich aber ist ein solcher Helfer doch eine willkommene Unterstützung für alle jene, die ihr Leben nicht mehr alleine bewältigen können …

Auf der Suche nach einem Motiv und nach dem Täter treffen Harms und Takeda auf viele unmittelbar und entfernt involvierte Personen, die ein Motiv hätten. Denn wenn „Lisa“ das eigentliche Ziel wäre, dann wären da die Angestellten und Mitarbeiter, die zu den Verdächtigen zählen.

Wenn man beim Lesen lange Zeit das Gefühl hat, dass irgendetwas fehlt, dass die Polizei etwas übersieht, dann wird man im Laufe der Ereignisse dieses Gefühl bestätigt finden; es ist deshalb durchaus empfehlenswert, sich selbst gedanklich an den Ermittlungen zu beteiligen.

Diese Ermittlungen führen zu einer Reihe von wirklich spannenden Überlegungen zum Thema Roboter und wie sie in unser Leben zukünftig integriert werden. Neben einigen schon realen Fähigkeiten gibt es auch über einiges zu lesen, das zwar denkbar, gegenwärtig aber technisch noch nicht umsetzbar ist.

Besonderes widmet sich der Autor den moralischen Fragen, die beim Einsatz von Robotern in unserem Alltag entstehen (und die sich auch jetzt schon beim Einsatz autonomer Fahrsysteme in Autos stellen). Asimovs Robotergesetze in einem Krimi? Ja – in diesem!

Die Mischung aus Krimi, Technik, Science Fiction und gesellschaftlichen Fragen macht diesen Krimi zu einem Roman, der sich über die Genre-Grenzen hinaus ausdehnt. Es ist spannend, sich zu überlegen, wie es denn wirklich ist bzw. wohl bald sein wird, wenn uns in immer mehr privaten Lebensbereichen Roboter zur Seite stehen werden. Die Staubsaugerroboter, die intelligenten Kühlschränke, die Sprachsteuerungen haben wir ja schon. Einige weitere Ansätze für die nächsten Schritte liefert dieses Buch.

Wenn mich auch der eigentliche Kriminalfall nicht völlig überzeugt hat, so ist es in „Inspektor Takeda und die stille Schuld“ das ganze Rundherum, das dieses Buch lesenswert macht.




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