Henrik Siebold: Inspektor Takeda und der lächelnde Mörder

verfasst am 07.05.2018 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Kriminalromane, Siebold, Henrik

Ein Japaner in Hamburg. Inspektor Takeda ist quasi ausgeliehen von der Polizei in Tokio. In Hamburg soll er etwas über die Methoden seiner deutschen Kolleginnen und Kollegen lernen. Und bringt dabei auch zugleich eine gehörige Portion Fernöstliches in die Ermittlungen ein.

Ein wenig fremdelt er schon noch, doch unter kräftiger Mithilfe vor allem seiner Kollegin Claudia Harms findet er sich schon recht gut zurecht.  Es ist gerade dieser neue Fall, bei dem es scheint, als ob Takeda weit besser vorankommt, als die Einheimischen – denn hier ist Polizeiarbeit abseits gewohnter Bahnen gefragt.

Es beginnt damit, dass ein siebzehnjähriger Schüler, zu allem Unglück auch noch Sohn des Justizsenators von Hamburg, mitten im Trubel und vor den Augen seiner Klasse, eine Frau vor einen einfahrenden Zug stößt. Ein Fall, der einfach und klar erscheint. Bis sich heraus stellt, dass die Videoaufnahmen vom Bahnhof genau den Moment des Verbrechen nicht erfasst haben und die Zeugen, die sich zunächst noch ganz sicher waren, auf Nachfrage gar nicht mehr sicher sind. Und bis Simon Kallweit sein Geständnis zurück zieht.

Obwohl dies schon der dritte Takeda-Krimi ist, bin ich erst jetzt auf diese Reihe gestoßen. Schade, denn wenn die beiden Vorgänger genauso spannend und durchdacht waren, dann habe ich etwas versäumt (aber es ist ja nie zu spät, nachzulesen).

Takeda ist schon ganz gut „angekommen“ in Hamburg, Henrik Siebold beschreibt ihn – ausgesprochen glaubwürdig – als einen Mann, der nun auf zwei Kontinenten zuhause ist; als einen der offentlichlich viel leichter unsere Sprache lernen kann, als wir Europäer es jemals bei der japanischen Sparchen schaffen würden. Deutsche Sitten kombiniert mit fernöstlicher Tradition. Dass er daraus Nutzen für seinen Arbeit als Polizist zieht ist dann nur logisch. Auch die gemeinsame Arbeit mit seiner Kollegin kann man sich lebhaft vorstellen, wie sich die beiden so unterschiedlichen Temperamente manchmal ergänzen, manchmal aneinander reiben.

Weil ich auch die anderen Darsteller in diesem Krimi als äußerst gut und lebensnah charakterisiert empfinde, ist somit eine perfekte Grundlage für den Krimi selbst gelegt.

Der weitet sich aus, nachdem Simon sein Geständnis zurück gezogen hatte. Denn es lässt den Ermittlern keine Ruhe, dass es für den Tod der Frau auf dem Bahn steige keine andere Erklärung gegen sollte, sie glauben nicht an einen Unfall. Immer weniger, weil auch noch weitere Todesfälle, diesmal ganz eindeutig als Mord einzustufen, nach einem ähnlichen Muster ablaufen.

Und dann bekommt alles noch eine politische Dimension, es geht tief hinein in die Tiefen der lokalen Politik Hamburgs.

Spannend bis zum Schluß und obwohl sehr verwinkelt aufgebaut, gut nachvollziehbar und mit einem gleichsam überraschenden wie glaubhaften Schluß.

Es ist wirklich alles dabei, was ich mir von einem guten Krimi wünsche.
Sehr empfehlenswert!


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