Ken Follett: Kingsbridge
Der Morgen einer neuen Zeit

verfasst am 26.09.2020 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Follett, Ken, Historischer Roman

30 Jahre ist es schon her, dass Folletts „Die Säulen der Erde“ erschien. Einer der meistgelesenen historischen Romane überhaupt und nach wie vor einer meiner Favoriten in diesem Genre. Nach zwei Nachfolge-Romanen (die jeweils rund 200 Jahre in die Zukunft führen) liefert Follett mit „Kingsbridge“ nun einen Blick in die Vergangenheit – rund 150 Jahre vor den Ereignissen in „Die Säulen der Erde“.

Liebe und Intrige, Hoffnung und Verrat: Es wird zwar auch gebaut, aber in dieser Entstehungsgeschichte von Kingsbridge geht es vor allem um die Auseinandersetzung zwischen einer skrupellosen, mächtigen Familie und einigen furchtlosen Männern und Frauen, die für Recht und Gerechtigkeit kämpfen.

Das klingt sehr klischeehaft und ist es letztendlich auch: Dieser Roman von Ken Follett ist ein ganz klassischer Roman über GUT und BÖSE, aber – das kann man erwarten und bekommt es auch geliefert – ein Pageturner, wie er im Buche steht :-)

Der Süden Englands wird von den Wikingern immer wieder heimgesucht. Die Dänen tauchen mit ihren Langbooten unvermittelt auf, plündern und verschwinden so schnell, wie sie kamen. Es ist die Aufgabe der Adeligen, die Untertanen vor solchen Angriffen zu schützen, vor allem aber möchten sie ihre eigenen Einnahmen vor dem Zugriff der Invasoren retten. In Shiring ist es der Aldermann* Wilwulf, der die Macht in Händen hält und somit für die Sicherheit des Landes und seiner Bewohner zu sorgen hat. Seine beiden Brüder nehmen ebenfalls hohe Ämter ein, Wynstan, der mittlere der Brüder,  ist der Bischof der Grafschaft, der jüngste Bruder Wighelm ist der Greve der Stadt Combe an der Kanalküste.

Auf einer Reise in die Normandie begegnet Wilwulf der Prinzessin Ragna; beide sind vom ersten Augenblick an einander zugeneigt. Wilwulf wird wenig später um Ragnas Hand anhalten und sie tritt voller Freude und Hoffnung die Reise in ihre neue Heimat in England an. In Shiring aber ist fast alles ganz anders, als Ragna es sich vorstellte, Stück für Stück muss sie erfahren, wie intrigant und unehrlich die Familie ihres Ehemannes agiert.

Zur selben Zeit ist in dem Dorf Dreng’s Ferry der junge Edgar mit seinen Brüdern und seiner Mutter eingetroffen. Nachdem die Wikinger bei einem Überfall auf Combe seinen Vater ermordet und die Werkstatt zerstört hatten, übergibt Wynstan ihnen einen verlassenen Hof in dem kleinen Ort, der seinen Namen von vom Fährmann Dreng hat, der Reisende mit seinem Boot über den Fluss bringt und dem auch die Taverne gehört. Eine Begegnung mit dem Mönch Aldred ist für Edgar und Aldred der Beginn einer Freundschaft, in deren Verlauf die dramatischen Ereignisse am Ende zur Gründung der neuen Stadt Kingsbridge führen.

Es ist ein andauerndes Ringen um Macht und Einfluss, wobei Wilwulf und seine Brüder mit brutalen Methoden ihre Macht sichern und dabei auch die Befehle des Königs ignorieren. Ein gefährliches Spiel, auf dass sich die Brüder einlassen, doch sie sind überzeugt, dass ihre Macht unantastbar ist.

Der historische Rahmen der Geschichte ist die Zeit zwischen 997 und 1.007 n. Chr., England wird von König Ethelred regiert, in dessen Regentschaft tatsächlich vermehrte Überfälle der Wikinger fielen. Viel mehr wird man an geschichtlich belegbaren Ereignissen in diesem Roman nicht finden. Mein Eindruck ist, dass Ken Follett für diesen Roman weitaus weniger Rechercheaufwand betrieb als vor allem für „Die Säulen der Erde“, wo tatsächlich auch viele Erkenntnisse über die Architektur und die kirchlichen und städtischen Strukturen des Mittelalters verarbeitet wurden. Dafür ist einiges über die Machtstrukturen jener Zeit nachzulesen.

„Kingsbridge“ ist ein Roman, der eher wie zufällig um die Jahrtausendwende angesiedelt ist, dessen Erzählungen aber auch in einer anderen Zeit spielen könnten. Manchmal habe ich dazu den Eindruck, dass der Erzählfaden verloren geht und nicht immer schafft es Follett, dass man sich beim Lesen wirklich in das England  des Mittelalters zurückversetzt fühlt (Follett erklärt das selbst im Nachwort: Das Quellenmaterial aus dieser Zeit sind nicht sehr umfangreich, vieles ist nicht überliefert, sondern kann nur gemutmaßt werden).

Abgesehen von dieser nur sehr losen historischen Verknüpfung ist es ein typischer Follett-Thriller, der zwar über 1.000 Seiten umfasst, sich aber schnell liest und mit Spannung und Dynamik nicht spart. In dieser Beziehung sehr empfehlenswert!



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