Leonie Swann: Mord in Sunset Hall

verfasst am 28.06.2020 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Kriminalromane, Swann, Leonie

Früher, als Agnes noch jung war, hieß das Haus „Morning Cottage“. Als sie älter wurde und sie die Einsamkeit in dem Anwesen nicht mehr hinnehmen wollte, hatte sie die Idee, in diesem Haus eine Senioren-WG zu gründen. Irgendein Spaßvogel im Ort hatte dann das Schild mit dem Namen „Sunset Hall“ überpinselt – und der ist geblieben, ist ja auch nicht unpassend, oder?

Eine sehr wunderliche Gemeinschaft hat sich in Sunset Hall versammelt: die nicht mehr ganz helle Edwina, die blinde Bernadette, die Gartenliebhaberin Lilith, Marschall, der gelegentlich schon mit seinem Gedächtnis kämpft und Winston.

Lilith, und hier beginnt die Geschichte, kann ihren Lebensabend jedoch nicht genießen, denn sie endet mit einer Kugel im Kopf. Ein gehörige Unordnung ergreift angesichts dieses Vorfalles die WG, denn zunächst ist niemand sicher, was denn nun zu tun ist.

Als gleich in der Nachbarschaft ein weiterer Mord geschieht, ebenfalls an einer betagten Dame, löst sich dieses Problem von ganz alleine; Agnes und ihre Mitbewohnerinnen lotsen die Polizei gleich weiter zu ihrem eigenen Grundstück.

Es folgt eine salopp erzählte Geschichte, mit allerlei amüsanten Vorfällen, die dem Alter der Hauptdarsteller zuzuschreiben sind. Manchmal passiert etwas aus Unachtsamkeit oder Vergesslichkeit, manchmal aber setzen die Damen und Herren die vermeintlichen Schwächen ihres Alters auch ganz bewusst ein, um ihren Willen durch zu setzen.

Als dann noch ein Mord an einer älteren Dame geschieht, ist das kriminalistische Interesse der WG erwacht.

Leonie Swann nimmt sich viel Zeit, um die Eigenarten jeder und jedes einzelnen sehr genau zu beschreiben, bis hin zur Schildkröte „Hettie“ und dem Hund „Brexit“. Alle Figuren sind liebevoll und liebenswert gezeichnet. Der Krimi selbst ist genauso erzählt: gemächlich, nervenschonend, in einem Tempo, das den älteren Herrschaften durchaus angemessen ist. Dass auch jede Menge Klischees – vom Verhalten der Senioren im Allgemeinen – eingearbeitet sind, wird man schmunzelnd registrieren.

Ein wenig zu kurz kommen die amüsanten Passagen, obwohl natürlich klar ist, dass dieser Roman mit einem Augenzwinkern zu lesen ist. Ein wenig zu lang und abschweifend sind dafür viele Passagen erzählt, was dann zum Querlesen und Überblättern verleitet.

Zum empfehlen für alle, die nervenschonenden Lesestoff lieben.



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