Andreas Pittler: Wiener Himmelfahrt

verfasst am 19.12.2019 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Pittler, Andreas, Romane

Nun liegt er also endlich vor, der von vielen Fans erwartete dritte Teil der Wiener Familiensaga, anhand dessen der anerkannte und einfühlsame Chronist Pittler einen Abriss des letzten Jahrhunderts aus dem Blickwinkel von drei unterschiedlichen Familien, deren Schicksale jedoch zusehends verwoben werden, liefert.

Nach Wiener Kreuzweg und Wiener Auferstehung liegt nun mit Wiener Himmelfahrt der letzte „Flügel“ des Wiener Triptychons vor.

Der Einstieg ist ein wehmütiger Rückblick im Alter auf die Mühen des Schicksals, auf enttäuschte Erwartungen, auf vertane Chancen. Und davon gibt es dann in den einzelnen Erzählungen der liebgewonnenen Protagonisten jede Menge.

Die Nachkommen der Familien  Glickstein. Strecha und Bielohlawek (wir befinden uns hier in der dritten Generation und die nächste kündigt sich schon an und bekommt auch schon Platz, etwa, wenn es um die Besetzung der Hainburger Au geht)) müssen sich ihren Platz im Leben und in der Gesellschaft erkämpfen. Mary, Carolines Tochter (aus dem Clan der Glicksteins) zieht von Israel nach Wien und verschwindet in alternativen Kommunen bis hin zu der von Mühl. Wir schrieben die 1970er und in der SPÖ-Alleinregierung findet Ricky Bielohlawek, die bereits zu akademischen Ehren und einem Doktortitel gekommen ist, eine Anstellung in der Frauenabteilung des Wissenschaftsministeriums, dem damals eine Herta Firnberg vorstand.

Weniger hold ist das Glück Georg Strecha. der Schurl hätte eine viel versprechende Karriere als Fußballer beim Wiener Sportklub starten können, doch bald versäuft er sich, trifft die weit ältere Mary, die ihn auf der Toilette eines Lokals verführt, dann aber von ihm schwanger wird. Das Kind, Lina, wächst dann bei den Großeltern Strecha auf und sorgt auch noch für einiges an Spannung und Handlungsvortrieb.

Die handelnden Personen befinden sich immer am Puls der Geschichte, egal, ob es sich um den Einsturz der Reichsbrücke oder  der Terroranschlag auf die OPEC am Ring kurz vor Weihnachten handelt.

Es ist schwierig, die derart miteinander verwobenen Geschicke hier in Kürze darzustellen, aber  man fiebert mit allen Personen , egal, ob man sie mag oder nicht mit und will immer sofort wissen, wie es weitergeht. Der Aufbau des Werks mit zT Rückblenden, die langsam die Geschehnisse herausschälen fand ich persönlich eine gelungene Struktur, die neben de, sprachlich immer wieder überzeugenden Erzählductus, ein zusätzliches Spannungsmoment bildet. Mich hat das Werk natürlich auch deswegen gepackt, weil hier breite Passagen mit Vorkommnissen geschildert werden, die mir selbst noch aus Kindheit und Jugend erinnerlich sind. Kurzum eine klare Leseempfehlung.



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