Georges Simenon: Schlusslichter

verfasst am 07.09.2019 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Romane, Simenon, Georges

Das Eheleben von Nancy und Steve Hogan erschöpft sich schon seit längerer Zeit in Gewohnheiten. Jeder neue Tag bringt doch wieder die alten Routinen – ob sie nach der Arbeit gemeinsam nach Hause fahren, ob Nancy wieder länger im Büro bleiben muss, ob Steve sein Heil im heimlichen Trinken sucht.

An diesem Tag werden sie gemeinsam auf Land fahren, um die Kinder aus den Ferien zurück zu holen. Steve, mit schon von Beginn an einem Glas zu viel, lässt keine Gelegenheit aus, auch auf der Fahrt immer weiter zu trinken. Und Nancy erträgt es nicht mehr zu sehen, wie ihr Mann den Alkohol verfällt, es aber selbst nicht wahrhaben will.

Als Steve zum wiederholten Mal unter einem Vorwand anhält und eine Bar aufsucht, hinterlässt Nancy im Auto nur einen Zettel mit der Nachricht, dass sie für den Rest der Strecke den Bus nehmen wird. 

Steve versucht zwar noch, den Bus einzuholen, doch er verfährt sich; wieder einmal. Quasi als Wink des Schicksals, dass er seine Frau an diesem Tag nicht mehr sehen würde, sieht er diesen Umstand und fühlt sich befreit, endlich das zu tun, was er wirklich möchte: zu trinken, wann immer es ihm gefällt. Immer weniger Herr seiner Sinne, findet er nach einem weiter Stopp in einer  Bar einen Mann im Auto sitzen – der Ausbrecher Sid Halligan, den jeder Polizist des Landes jagt. Das Fernsehen berichtet in Dauerschleife von der Flucht und Steve, in seinem Alkoholnebel, meint, in dem Ausbrecher einen Seelenverwandten gefunden zu haben: verrucht, ohne Angst, so wie Steve es in diesem Moment selbst sein möchte.

Nichts kann jetzt noch die Spirale der Katastrophen aufhalten, in die Steven und Nancy gezogen werden.

Zwei Dinge sind es, die mich an diesem Roman besonders beeindrucken:

Die Charakterierung des Mannes, der niemals zugeben würde, dass er ein Problem mit dem Alkohol hat und doch gerade dabei ist, sein Leben und seine Zukunft in Schnaps zu ertränken. Und die wie beiläufig immer weiter ansteigende Spannung, wenn man nicht weiß, wie es weitergehen könnte, mit dem Folgenden aber wohl nicht gerechnet hätte.

Dazu ein Ende, in dem sich eine Wendung ergibt, die aus dem Thriller auch wieder eine Liebesgeschichte macht.



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