Frédéric Lenormand: Schöner sterben in Paris
Madame Loulou ermittelt

Kommissar Raymond Février fürchtet eines: dass er jederzeit seinen Einberufungsbefehl erhalten kann. Denn wir schreiben das Jahr 1914, befinden uns in Paris und beinahe schon in Hörweite der Stadt stehen die Kanonen der Truppen des Deutschen Reiches auf französischem Boden.

Févriers Ausweg: mit Hilfe einer Freundin aus dem Millieu verwandelt er sich in eine Frau – Louise „LouLou“ Chandeleur. Er schlüpft in die Rolle einer selbstbewussten Frau und fällt damit recht aus dem damals gewohnten Bild, das Frauen abzugeben haben. Was aber ist zu tun, um nun seinen Lebensunterhalt zu verdienen?

Da kommt Ray/LouLou eine zu vergebende Stelle im Detektivbüro von Cecily Barnett sehr gelegen; mit seinem forschen Auftreten und seinem Fachwissen als nun ehemaliger Polizist, kann er seine neue Arbeitgeberin im Nu überzeugen, ihn anzustellen und wird bald zu deren Vorbild – jedenfalls, was die Arbeit als Detektivin betrifft.

Das Frauenteam der Agentur Barnett wird aktiv. Ein Fall, den er als Polizist nicht bearbeiten konnte, wird zum ersten Auftrag. Die Baronin Schlesinger sorgt sich um ihren Sohn, nachdem sie einen Erpesserbrief erhalten hat. Darin wird gedroht, den Sohn – Paul – der gerade an der Front ist, umzubringen, falls die Baronin kein Lösegeld zahlt. Und zum Beweis, wie ernst diese Drohung gemeint ist, werden anscheinend zufällig ausgewählte Menschen in Paris ermordet – so lange bis die Baronin zahlt.

Frédéric Lenormand lässt die optische Verwandlung von Mann zu Frau ganz problemlos ablaufen, niemand scheint Verdacht zu schöpfen, dass sich hinter der Maske von LouLou der  Kommissar Février verbirgt. So einfach und leicht schreitet auch der ganze Roman voran. Manchmal mit dem Versuch, komische Situationen zu beschreiben, manchmal mit Hilfe von glücklichen Fügungen, mit einer nervenschonenden Krimihandlung.

Wer sich Lektüre erwartet, die man ohne große Anstrengung konsumieren kann, ist bei „Schöner sterben in Paris“ bestens aufgehoben. Worauf man aber nicht hoffen sollte, das ist ein historischer Roman, in dem man ein Gefühl über das Leben und die Verhältnisse im Paris des Jahres 1914 bekommt; die Zeit und die kriegerischen Umstände liefern die nur recht oberflächlich beschriebene Kulisse für eine stellenweise amüsante Handlung.



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