Paul Kohl: Der Jude, der Nazi und seine Mörderin

verfasst am 10.09.2018 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Historienromane, Kohl, Paul

Wilhelm Kube, ein radikaler Antisemit, wird nach seinem tiefen Fall, ausgelöst durch seine Verschwendungssucht und seinen ausschweifenden Lebenswandel, von seinem Posten in Berlin – er hat wohl die Position eines hochrangigen Parteigenossen zu sehr für seine eigenen Zwecke ausgenutzt –  abberufen.

Er dienert sich bei Göring und beim von ihm heiß verehrten Adolf Hitler an, um wieder eine neue Wirkungsstätte zu bekommen.

Sein Wunsch geht nach einiger Zeit in Erfüllung, er wird als Generalkommissar in das okkupierte Minsk versetzt.

Kube erscheint bei manchen seiner Aktionen etwas widersprüchlich. Aber trotzdem nicht weniger radikal und grausam als seine Nazi-Genossen, was seine Wortwahl zum Ausdruck bringt.

Ein kleiner Ausschnitt dazu auf Wikipedia:

So schrieb er am 16. Dezember 1941 an Hinrich Lohse: „Ich bin gewiss hart und bereit, die Judenfrage mit lösen zu helfen, aber Menschen, die aus unserem Kulturkreis kommen, sind doch etwas ganz anderes als die bodenständigen vertierten Horden. Als die systematischen Massenmorde an einheimischen Juden auf Drängen der Zivilverwaltung Ende März 1942 wieder aufgenommen werden sollten, legte Kube laut Protokoll „Wert darauf, dass bei der Liquidierung korrekt vorgegangen wird.

Paul Kohl verwebt in seinem Roman, der vor historischem Hintergrund spielt, die Schicksale von vier Menschen miteinander:

Das von Wilhelm Kube, der aufstrebenden Schauspielerin  Anita, des Buchhändlers Gustav und der Weißrussin Jelena.

Gustav ist Jude, teilt das Schicksal von Millionen Juden, und findet mit seiner Frau und seiner Tochter einen grausamen Tod. Unter Kubes Gewaltregime in Minsk werden zehntausende Menschen in Ghettos unter unwürdigen Zuständen „gehalten” und getötet; darunter Gustav und seine Familie.

Anita wird die Ehefrau Kubes und folgt ihm mit ihren drei gemeinsamen Kindern nach Minsk. Sie lernt dort das Dienstmädchen Jelena kennen, eine ehemalige Geliebte ihres Mannes. Jelena wiederum wurde von den Partisanen angeworben, um Kube zu töten.

Die Leben der vier Menschen sind verhängnisvoll miteinander verbunden und alles endet 1943 in einem großen Knall.

Am 21. September wird Kube mittels zweier, unter seinem Bett angebrachter, Minen getötet. Seine neben ihm liegende Frau Anita überlebt den Anschlag, ebenso ihre Kinder.

Jelena, die den Anschlag im Auftrag der Partisanen verübt hat, wird dafür sogar geehrt. Zu einem späteren Zeitpunkt wird sie jedoch durch eine Intrige ihrer „Führungsoffizierin“ wieder aller ihrer Ehrungen beraubt und von den Kommunisten verfolgt und gefoltert. Sie kann mit Hilfe eines Freundes, der für sie aussagt, aus den Klauen dieser Teufel entkommen.

Jelena stirbt 1996 in einem Minsker Krankenhaus; Anita siecht in einem Konstanzer Altenheim dahin und stirbt 2020, kurz vor ihrem neunundneunzigsten Geburtstag. Sie wurde nie wegen den Gräueltaten ihres Mannes, von denen sie wusste, zur Rechenschaft gezogen.

Paul Kohl erzählt eindringlich und spannend eine authentische Geschichte aus der dunkelsten Zeit Deutschlands. Er berichet über die von willfährigen Mitstreitern der Nazi-Schlächter verübten Gräueltaten.

Unfassbar, was dieses Regime aus Menschen gemacht hat, die dann blindwütig und ohne jegliches Unrechtsbewusstsein Massaker an Millionen Menschen begangen haben.

Es ist ein zutiefst deprimierendes Buch; aber es ist wert, gelesen zu werden.


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