Dietrich Faber: Hessen zuerst!
Hexit jetzt!

verfasst am 25.09.2017 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Faber, Dietrich, Kriminalromane

Henning Bröhmann, Exkommissar und derzeit Hausmann, wohnt mit seiner Familie in einem kleinen Ort in Hessen. Mit seinen vier Kindern und seiner Frau, einer Klavierlehrerin, führt er ein beinahe zufriedenes Leben. Bis zu dem Zeitpunkt an dem er feststellt, dass sein Nachbar und  Vermieter, sich der politisch rechten Szene zugewandt hat. „HESSEN ZUEREST“ ist die Partei, die sich gegen Alles und Jedes wendet. Schwerpunkt dieses anarchistischen Haufens ist das Thema Ausländer.

Hennings erste Begegnung mit Gefolgsleuten des Nachbarn sind zwei Anabolika gestärkte Schlägertypen nahe seiner Wohnung. Sie sind die Vorhut einer Bürgerwehr, die der Nachbar Rüdiger aufbauen will. Ihr Credo ist Werte und Frauen. Eine nähere Definition zu „Werte“, was sie damit meinen,  können diese beiden Dummköpfe aber nicht angeben.

Faber gelingt es großartig die Charaktere zu beschreiben, aber nicht nur das, er schildert auch authentisch die Stimmung in der Bevölkerung. Er skizziert einzelne Typen, denen wir sicher schon begegnet sind. Besserwisser, Gschaftlhuber, Aufhetzer, Menschen die eigentlich gar nicht wissen wogegen sie protestieren, wogegen sie sind. Er beschreibt  die Situation der Asylsuchenden, die in dem Ort untergebracht sind. Das Problem einer Beziehung zwischen der Heimleiterin und einem Asylanten. Das kann sich in der Realität sicher auch so abspielen.

Manchmal hatte ich das Gefühl, einen Zeitungsbericht zu lesen, oder einen Fernsehbericht zu sehen, so real sind die Schilderungen von Faber. Gewalttätige Übergriffe, bis zum Totschlag spiegeln die Realität wieder. Kleinkriminelle Asylwerber, die mit unhaltbaren Versprechen verleitet werden Böses zu tun, eine „Guthessin“, die meint, die Welt alleine retten zu können,

Amüsante Passagen, wie  z.B. die späte Liebe von Hennings Mutter zu einem schlagkräftigen Mann (Karate), oder der ohrenbetäubende Gesang der „Guthessin“ anlässlich eines von ihr organisierten Festes für die Asylwerber, lockern das grundsätzlich sehr ernste Thema auf. Das eine und andere Mal entlockte mir das ein Schmunzeln und sogar lautes Lachen.

Besonders liebenswert waren für mich die Passagen in hessischem Dialekt (meine Mutter war Hessin, was mir einen Zugang zu diesem Dialekt eröffnete).

Faber ist hier ein ernst gemeinter, aber teilweise auch komischer Roman gelungen. Sie sollten dieses Buch lesen.


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