Lars Berge: Der Büro-Ninja

verfasst am 03.11.2015 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Berge, Lars, Romane

Jens Jansen hat damit abgeschlossen: mit dem Streben nach Erfolg, der Liebe und Leidenschaft zu seiner Freundin, überhaupt mit dem Interesse an allem, was die Welt des 21. Jahrhunderts ausmacht. Also beschließt er zu verschwinden. Was sich als leicht einfach gedacht, aber kompliziert durchführbar erweist.

Eine ganze Menge der Klischees, die als Beinahe- oder Ganz-Realität  heutzutage durch die Arbeitswelt geistern, landen als Jens Jansens Lebensumstände in diesem Roman. Das tummeln sich die Typen, die in jeder Firma zu finden sind, von der unbedankten Mitarbeiterin über den pedantischen Pünktlichkeitsfanatiker zum großspurigen Mochtegern-Erfolgstypen. Dazwischen Jens Jansen, der in Wahrheit nur seine Ruhe haben möchte, bedingt durch allerlei Umstände aber immer in die Rolle des viel gelobten Mitarbeiters mit Option zum Aufstieg in die nächste Hierarchieebene gedrängt wird.

Das aber entspricht so gar nicht Jansens Vorstellungen, weshalb er verschwindet. Spurlos, plötzlich und das auch noch inmitten der Kolleginnen und Kollegen, die indes von seiner Anwesenheit nichts ahnen. Vermisst wird er aber auch nicht. Mit seinem Untertauchen glaubt Jansen zwar, beruflichen Aufstieg zu vermeiden, zunächst aber findet er sich mit einer Reihe von Problemen konfrontiert, die ein Mensch im Schweden von heute nicht kennt: wie komme ich zur Toilette, wie besorge ich mir das Essen, wie sorgt man für Hygiene und was tun im Krankheitsfall; und das alles, ohne Spuren im Büro zu hinterlassen. Denn Jansen taucht ausgerechnet in einem ungenutzten Lagerraum in seinem Büro unter.

Lars Berge schrieb mit „Der Büro Ninja“ gemäß Buchbeschreibung eine Satire auf die moderne Arbeitswelt. So beginnt es auch, doch schon bald wird aus der Satire eine Aneinanderreihung Sammlung skurriler Geschehnisse, lose verbunden durch Jansens Stolpern durch seine selbst gewählte Rückzugswelt; gewürzt wird alles mit ein paar durch den Kakao gezogenen Verschwörunsgtheorien (die uns ja seit geraumer Zeit wie lästige Allergien verfolgen).

Irgendwann zwischendurch wechselte meine Stimmung beim Lesen von „amüsant“ auf „ein bisserl langatmig“ und später dann auf „hmmmm“ (ungefähr ab dort, wo erstmals die Rede von einer eigenen Untergrundwelt/stadt/bewegung von gleichermaßen Untergetauchten die Rede ist).

Satire ist es nur zu Beginn, da sind auch einige – aus meiner Sicht – gelungene Seitenhiebe auf den Büroalltag (so wie ihn sich die hochbezahlten Berater oder dynamisch wirken wollende Manager gemeinhin vorstellen) dabei. Insgesamt aber versucht der Roman von recht wenigen Ideen zu leben, die allesamt gleich zu Beginn eingebracht werden, und verirrt sich in den späteren Kapiteln ein wenig in seiner eigenen Phantasiewelt. 

Stellenweise amüsant geschrieben und schnell zu lesen, leider jedoch ohne die zündenden Ideen, die daraus eine wirklich gute Satire machen würden.



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