Dave Pelzer: Sie nannten mich "Es"
Der Mut eines Kindes zu überleben

verfasst am 30.08.2014 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Biographie, Pelzer, Dave

Ein junger Mann erklärte mir in einem persönlichen Gespräch „Willst du wissen, warum ich so bin wie ich bin?“ Unfähig seine Geschichte selbst zu erzählen, nannte er mir diesen Buchtitel. Die autobiografische Geschichte von Dave Pelzer, der als kleiner Junge jahrelang grausamsten Misshandlungen seiner Mutter ausgeliefert war.

Dieses Buch ist in der Originalausgabe bereits 1995 erschienen. Doch hat dieses autobiografische Werk um das unvorstellbare Leid eines kleinen Jungen nichts an Aktualität verloren. Ein Kind, das trotz allem seinen Lebensmut nicht verloren hat.

Dass eine Sozialisation in einem solch Umfeld den Jungen geprägt hat, dazu braucht es keine psychologischen Erklärungen. Es stellt sich für mich eher die Frage, wie er es selbst geschafft hat, aus dieser Gewaltspirale auszusteigen, ohne selbst zu einem sadistischen Monster zu verkommen, oft werden aus Opfern Täter.

Jahrelang wird der kleine Dave von seiner Mutter geschlagen und misshandelt. Als er beschreibt, wie sie seine kleine Hand auf den Ofen drückte, roch ich fast das verbrannte Fleisch und mir wurde richtiggehend übel.

Essensentzug, der schwere Alkoholismus der Mutter, Misshandlungen, rohe Gewalt. Die Mutter braucht für ihr eigenes misslungenes Leben einen Schuldigen. Und dazu hat sie das schwächste Mitglied der Familie auserkoren. Der Vater war ohnehin ohnmächtig und nicht präsent genug, um hier einen Ausgleich zu schaffen. Auch Daves Geschwister sind zu schwach, um die Mutter in ihrem Sadismus einzubremsen. Wohl auch aus der Angst heraus, selbst Opfer zu werden.

Der kleine Junge leidet unermesslich, Dave Pelzer beschreibt die Gefühle in den unterschiedlichsten Situationen, was dem Buch eine große Schwere gibt.

Endlich greifen die Lehrer ein und befreien den Jungen aus seinem Martyrium.

Diese Zivilcourage hat ihm das Leben gerettet.

Aufgrund meines Berufes bin ich ständig mit solchen Familiengeschichte konfrontiert. Vermutlich hat mich diese Geschichte so getroffen, weil ich in Dave den jungen Mann, der mich aufgefordert hat, das Buch zu lesen, ständig vor mir sah.

Er selbst hat das Buch bei einer seiner zahlreichen Übersiedlungen weggeschmissen. Ich habe ihm dieses Buch geschenkt, als Erinnerung daran, dass er eine starke Persönlichkeit entwickelt hat und als Hochachtung für seinen Mut, ihn über dieses Buch kennenlernen zu dürfen.


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