Stefan Holtkötter: Schlaf süß im tiefen Grabe

Schlaf süß im tiefen GrabeSanna Marquart: von überwältigender Naivität, gleichzeitig aber auch mit einer ordentlichen Portion Spürsinn und unendlich viel Mitgefühl ausgestattet. Renate, ihre Tante: als Reporterin musste sie in der Provinz neu anfangen, mit dieser Geschichte würde sie mit einem Schlag wieder zu einer großen Nummer. Böttger: der Kommissar trifft bei seinem ersten Fall in Marienbüren auf wahrhaft Unglaubliches und nach Jahren auf seine Jugendliebe Renate.

Die gewaltigen Wassermassen haben einen ganzen Hang ins Rutschen gebracht. Im strömenden Regen können Sanna und Renate ihren Wagen gerade noch vor dem Abgrund zum Stehen bringen. Wie sich bald heraus stellt aber nur vor dem Abgrund, der die Strasse verschlungen hat. Vor dem Abgrund aus Mord und Verschwörung können sie aber nicht davon laufen; der holt die beiden unerbittlich ein.

Zuerst gibt das Geröll die Leiches eines kleinen Mädchens frei. Und bald darauf taucht ein verstörter junger Mann auf, der nicht sprechen möchte und seinen Namen nicht nennen will. Warum Sanna den Jungen bei sich aufnimmt, das lässt sich kaum erklären – sie bietet ihm spotan, aus einem Gefühl heraus, Schutz an vor dem, was ihn verfolgt.

So beginnt ein Krimi, der sich zunächst wie ein Suspense/Mystery/Fantasy/Psychothriller liest. Eine Mischung aus alledem. Viele merkwürdige Figuren tauchen auf, wer mit wem in Verbindung steht ist unklar.

Auch wenn niemand das tote Mädchen zu vermissen scheint, findet die Polizei bald ihre Eltern. Warum die ihre Tochter nicht als vermisst gemeldet hatten, warum sie sie nicht einmal vermissen, ist zunächst unverständlich. Und der Junge, der bei Sanna untergekommen ist, scheint zwar zu wissen was geschah, weigert sich jedoch mit der Polizei zu sprechen. So muss Kommissar Böttger ohne diesen wichtigen Zeugen ermitteln, während Sanna keine Ahnung davon hat, dass ihr Schützling eine zentrale Rolle bei einem ungeheuerlichen Verbrechen spielt.

So weit, so verwirrend und so Unheil ankündigend.

Und dann merkt man, wie hinterlistig dieser Roman daher kommt. Hinter all dem schimmert hin und wieder etwas hervor, das erahnen lässt, dass mit der toten Schwester und dem undurchsichtigen Bruder noch etwas ganz anderes ans Tageslicht gekommen ist.

Holtkötter wiegt uns mit ruhigen, unaufgeregten Worten und in Sicherheit. Er verschleiert und enthüllt in einem einzigen Satz, immer mit dem Effekt, dass das, was man glaubte, wieder verworfen wird. Und dann, wenig später, doch wieder als mögliche Lösung erscheint.

Ein Verwirrspiel Autor/LeserIn, dass – im Sinne den Krimigenres – unheimlichen Spass macht (das Wort unheimlich im Sinne von unheimlich). Und im Sinne meiner Nerven aber sorgt das für Anspannung (Stichwort: bis zum Zerreissen).

Die letzten 60,70 Seiten:  Showdown ist angesagt.

Jetzt könnte es zu einem furiosen Finale kommen. Doch kaum beschleunigt Holtkötter das Tempo der Handlung, beginnt der Motor zu stottern. Viele Unklarheiten führen zwar zu einem Ergebnis, doch zu keinem Ende. Viele lose Fäden schlingen sich um die letzten Seiten des Buches, vieles steht wie verloren im Raum. Den Abschluss bildet ein  „Cliffhanger“ und man muss zur Kenntnis nehmen, dass für diesen Krimi gar keine klare Auflösung sondern gleich eine Fortsetzung geplant ist. 

Womit ein Buch, in dem sich Spannung und Handlungsbogen langsam aber sicher immer weiter aufbauten und , enttäuschend und abrupt endet. Oder eben auch nicht endet, ganz wie man will.


Einen Kommentar hinterlassen

* erforderlich. Beachten Sie bitte die Datenschutzerklärung


Top