Michaela Karl: Ladies and Gentlemen, das ist ein Überfall!
Die Geschichte von Bonnie & Clyde

verfasst am 04.09.2013 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Biographie, Karl, Michaela

Auch nachdem es den Wilden Westen gar nicht mehr gab, entstanden weiterhin neuen Mythen über Outlaws. Speziell die 1920er und 1930er-Jahre brachten reihenweise solche vermeintlichen Helden hervor:  Gangster wurden zu romantisch verklärten Stars und blieben bis heute die scheinbar unerschöpfliche Quelle für Literatur und Film.

Bonnie & Clyde, Butch Cassidy & Sundance Kid, Ma Barker, Jesse James, John Dillinger, die Daltons; die Liste ist endlos lang. Da diese Personen samt und sonders tatsächlich lebten, ist es umso spannender etwas über Realität und Fiktion solcher Legenden zu erfahren.

Bonnie Elizabeth Parker und Clyde Chestnut Barrow wurden nur knapp über 20 Jahre alt, am 23. Mai 1934 starben sie gemeinsam im Kugelhagel (auch das schon eine romantisierende Wendung) der Bundesbeamten. Davor absolvierten sie eine beispiellose Laufbahn als Bankräuber und Mörder.

Ihre Karriere dauerte dabei nur knapp 2 Jahre, auch wenn man heute den Eindruck haben könnte, es wären viel mehr gewesen. Das, was sie auf dem Gewissen haben, die schiere Menge an Überfällen, Diebstählen, Toten und Verletzten hätte jedenfalls auch für einen längeren Zeitraum ausgereicht.

Das Buch handelt nicht nur vom Leben der beiden, sondern auch von der Zeit in der sie lebten. Diese umfasst den 1. Weltkrieg, die Prohibition und die Wirtschaftskrise (Stichwort Schwarzer Freitag) , die immense Armut für Millionen Menschen brachte und die amerikanische Gesellschaft beinahe zum Zerbrechen.

Michaela Karl berichtet, wie vor diesem Hintergrund aus den Kindern zuerst Jugendliche wurden, die noch voller Pläne für ein bürgerliches, ehrliches Leben waren. Wie ihre Herkunft und die Armut ihrer Familien es dann unmöglich machte, nach ihren Träumen zu leben, ging es doch all die Jahre vorrangig darum, wie sie und ihre Familien etwas zu Essen auf den Tisch bekommen konnten.

Clyde Barrow begann schon früh, sich mit Kleinkriminalität sein Leben zu verbessern. Autodiebstähle, Hühnerdiebstahl und dergleichen: auf mehr hatte es der Teenager anfangs nicht abgesehen, Gewalt gegen Menschen kam schon gar nicht in Frage, da machte er sich lieber aus dem Staub. Als er jedoch schon mit 16 Jahren erstmals erwischt wurde, begann sein verhängnisvoller Weg. Auch kleine Verbrechen ergeben in Summe ein großes:  Clyde geriet zwar zuerst an eine wohlmeinenden Richter, der ihm einen großen Teil der Strafe erließ, verfiel aber schon wenig später wieder der Versuchung. Ein neues Verbrechen brachte ihn in das härteste, das menschenverachtendste Gefängnis von Texas in Huntsville. Und das machte aus ihm einen rachsüchtigen, gnadenlosen Ganoven.

Bonnie Parker verliebte sich schon als junges Mädchen in einen kleinen Gauner. Als der für einige Jahre ins Gefängnis musste, traf sie durch Zufall mit Clyde Barrow zusammen; und vom ersten Moment an schien es, als wären die beiden füreinander bestimmt. Mit seinen kriminellen Machenschaften hatte sie – vorerst – nichts tun, besorgte ihm jedoch ein Waffe, mit der er aus dem Gefängnis ausbrechen konnte.

Damit setzte sich ein Kreislauf in Gang, der immer blutiger, immer verheerender wurde. Bonnie & Clyde zerstörten das Leden vieler Menschen: nicht nur ihre eigentlichen Opfer waren dabei, sondern auch viele ihrer Freunde und Angehörigen, die sich durch falsch verstandenen Solidarität selbst in Schwierigkeiten brachten. Erst im Kugelhagel ließ sich dieser Kreislauf wieder stoppen.

Mit dieser Biografie abseits der Filmromantik bekommt man tatsächlich ein sehr informatives Bild vom Amerika der 1920er und 1930er geliefert. Die Lebensumstände, die damals für Millionen von Menschen herrschten, waren unzweifelhaft der optimale Nährboden für Verbrechen und Verbrecher aller Art. Und davon gab es mehr als genug in jener Zeit. Die Geschichte von Bonnie & Clyde wird eingebettet in Abschnitte über die Politik, Gesellschaft, Justizsystem und Wirtschaft jener Tage.

Unglaubliche Zustände herrschten in weiten Teilen des Landes, Zustände, die wir uns heute überhaupt nicht vorstellen können. Und doch gab es eine Gemeinsamkeit mit unserer Gegenwart: damals und heute sind von einer Wirtschaftkrise geprägt. Die Auswirkungen damals und heute könnten aber nicht unterschiedlicher sein.

Ein Buch über das Leben und die Gesellschaft in einer Zeit, die solche Typen wie Bonnie & Clyde und all die anderen berühmten Gangster gleichsam hervorbringen musste. Ein Buch, das sehr spannend zu lesen ist und dabei enorm viel an Wissen transportiert. So wird aus einer Legende wirkliche Geschichte, lebendig und wirkungsvoll geschrieben – sehr empfehlenswert!

PS: Was wäre aus den beiden wohl heutzutage geworden? Gangsta-Papper vielleicht: man kommt auch im Land herum, ist bekannt und wird verehrt. Einziger Unterschied ist, dass man wahrscheinlich nicht von der Polizei sondern von den eigenen Freunden erschossen wird.

Infos & Bildmaterial:


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