Joseph Smith Fletcher: Der Middle-Temple-Mord

verfasst am 21.07.2013 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Fletcher, J.S., Kriminalromane

Wie man hört, war dieser Krimi eines der Lieblingsbücher des US-Präsidenten Woodrow Wilson (28. Präsident, 1931-1921). Das verschaffte dem Autor damals unerhörte Popularität in den USA. Bei uns gab es im Jahr 1931 eine deutschsprachige Übersetzung, die in Deutschland verlegt wurde, seither aber war es ruhig um J.S. Fletcher und seine Krimis.

Das Schöne an derartigen Büchern ist, dass sie nicht nur in der Vergangenheit spielen, sondern genau in dieser Zeit auch geschrieben wurden. Das ist einfach etwas ganz anderes, als wenn man heutzutage über das London des Jahres 1912 schreibt. Der so überaus formale Umgang der Menschen miteinander, die Strassen, denen die Beleuchtung in der Nacht nicht mehr als ein Dämmerlicht verschafft, die Sprache, das Fehlen der Mehrheit der Dinge, die den Alltag im Jahr 2013 bestimmen:  das Leben und die Lebensart von vor einem Jahrhundert werden zum Greifen nahe.

Und das ist geschehen: ein vorerst unbekannter Mann wird tot in einem Hauseingang liegend gefunden. Etwas, das sich der zufällig vorbeikommende Reporter Frank Spargo nicht entgehen lassen kann. Da er mit den Polizisten in dieser Gegend wohl gut bekannt ist, erfährt er bald, dass der Mann ermordet wurde. Und man gestattet Spargo auch, mit aufs Revier zu kommen, um Näheres über das Verbrechen zu erfahren.

Bald ergibt sich eine Zusammenarbeit zwischen Spargo und dem Detective Rathbury von Scotland Yard:  die beiden kommen überein, einander jederzeit auf dem neuesten Stand der Erkenntnisse zu halten, denn  Spargo beschließt, diesen Fall selbst zu klären, wittert er doch dahinter ein Geheimnis und somit auch eine gute Story für seine Zeitung (Man stelle sich das heute vor: Polizei und Presse arbeiten Hand in Hand …).

Die einzige Spur ist zunächst ein Zettel, der in der Jacke des Toten gefunden wurde. Auf dem Zettel die Adresse eines jungen Anwalts, der jedoch den Toten nicht kennt, ihn noch nie gesehen hat. Zu diesem einzigen, vagen Hinweis müssen nun Spargo und Rathbury einen Puzzlestein nach dem anderen legen. Und tatsächlichen finden sich immer wieder weitere Hinweise, führt einer zum nächsten.

Zurück in die Zeit der großen Detektivromane heisst es mit diesem Buch! Wer Agatha Christie oder Arthur Conan Doyle liebt, wird auch mit diesem Krimi viel Freude haben. J.S. Fletcher schickt seine Protagonisten (und das ohne eigenes Auto und jederzeit verfügbares Telefon) kreuz und quer durch England um ein Verbrechen aufzuklären, dessen Ursprung Jahrzehnte zurück liegt.

Es werden Telegramme geschickt, Boten überbringen Nachrichten, Züge fahren ab Paddington. Und es gibt ausreichend überraschende Wendungen, wie es sich für einen Detektivroman der alten Schule gehort. Mir gefällts gut und ich hoffe, dass der  Tally-Ho! Verlag noch weitere dieser Krimischätze heben wird.


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