Wolfgang Burger: Das vergessene Mädchen
Ein Fall für Alexander Gerlach

verfasst am 17.04.2013 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Burger, Wolfgang, Kriminalromane

Das vergessene Mädchen Alexander Gerlach und seine Töchter. Die Familiengeschichte des Chefs der Kriminalpolizei zieht sich wie ein roter Faden durch alle Heidelberg-Krimis. Und natürlich auch die Sache mit Freundin Teresa. Diesmal stehen diese vier nicht nur im Zentrum der Homestory sondern auch im Zentrum der Krimihandlung. In gewisser Weise zumindest.

Denn die Sache begann mit einer Klassenfahrt nach Straßburg. Da waren nämlich auf der Hinfahrt mehr Personen im Bus als auf der Rückfahrt: Lea fehlte und in dem allgemeinen Abfahrts- und Rückfahrtrubel nahm das zuerst gar niemand so richtig ernst. Die würde schon zurecht kommen, alt genug war sie ja und Strassburg schließlich nicht am Ende der Welt, sondern n ur ein paar Kilometer über den Rhein entfernt.

Es war dann eine der Professorinnen, die Gerlach anrief um ihm ihre Sorge über das verschwundene Mädchen mitzuteilen. Der Vater von Lea wiederum, der hatte die Abwesenheit seiner Tochter zu diesem Zeitpunkt wohl noch gar nicht richtig mitbekommen; sein permanenter Alkoholspiegel versperrte ihm, wie meistens, den Blick auf die Welt.

Als dann auch noch die Mutter eines weitere Klassenkameraden von Gerlachs Töchtern das Verschwinden ihres Sohnes meldet, wird aus der anfänglichen Skepsis bei der Polizei – und auch bei Gerlach selbst – eine überregionale Fahndung.

Denn es schien sich doch nicht, wie wohl viele glaubten, um das vorübergehende Abtauchen von Teenagern zu handeln – etwas, das tagtäglich passiert sich immer nach wenigen Tagen in Wohlgefallen und der Rückkehr der Vermissten auflöst, da steckte eindeutig mehr dahinter. Zum Leidwesen von Gerlach möglicherweise sehr viel mehr, denn er erkannte in der verzweifelten Mutter eine alte Schulfreundin, mit der er vor vielen Jahren … vielleicht war ja …  sicher konnte er natürlich nicht sein … aber es wäre doch möglich … aber einfach zu fragen getraute sich auch nicht…

Ziemliche Verwirrungen also, die es rasch zu entwirren gilt. Denn bei all den Spuren, Hinweisen, Aussagen, die nun auftauchen, muss man doch eines festhalten: die beiden jungen Menschen scheinen noch am Leben zu sein, denn eine Leiche ist bisher nicht aufgetaucht. Und wenn wir eines aus der Welt der Film- und Buchkrimis gelernt haben, dann dies: bei Vermissten- oder gar Entführungsfällen ist die Zeit ein ganz entscheidender Faktor.

Kaum hat man sich daran gewöhnt, dass Polizeiarbeit langwierig und voller unergiebiger Spuren ist, kommt die (dramaturgische) Wende. Gerlach und seine Leute konnten bisher nur vagen Hinweisen nachgehen sich mit allen möglichen Spekulationen beschäftigen, doch nun endlich kommt Bewegung in den Fall. Und aus der Bewegung wird Rasanz.

War die erste Hälfte noch so etwas wie ein gemütlicher Nachmittagsausflug mit Kaffee und Kuchen, dann ist die zweite Hälfte wie eine rasante Raftingtour in einem Gebirgsbach während der Schneeschmelze. Also Festhalten anstatt Zurücklehnen.

Bisweilen wird es aber zu rasant. Eine ganze Menge Wendungen, viele wie zufällig die Bühne betretende neuen Mitspieler, Querverbindungen, die mit einem Mal auftauchen. Wolfgang Burger lässt die Geschichte gegen Ende hin so oft und so unvermittelt abbiegen, dass man ein wenig schwindlig werden könnte. Ein bisschen weniger davon hätte der Geschichte auch nicht geschadet.

„Das vergessene Mädchen“ ist, noch mehr als seine Krimi-Vorgänger, ein Roman über Alexander Gerlach. Da glaubten wir, nach so vielen Jahren der Bekanntschaft mit ihm, schon alles zu wissen und nun erfahren wir noch eine ganze Menge mehr. Das ist sehr gut gelungen. Die Krimihandlung ist diesmal nicht ganz so prickelnd, aber das wird im nächsten Jahr, beim nächsten Heidelberg-Krimi wieder anders sein.

PS ein Wort habe ich gelernt: Schmurgeln! Soll ja angeblich in Österreich und in Bayern verwendet werden, ich hab das aber noch nie gehört. Aber jetzt muß ich aufhören, denn in der Küche schmurgelt gerade das Essen :-).



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