Fforde, Jasper: In einem anderen Buch

verfasst am 17.07.2011 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Fantasy, Fforde, Jasper, Humor

Ein Auto fällt genau auf eine Picknickdecke, die Mammuts sind wieder einmal auf ihrer Wanderung, die PR-Abteilung möchte ein Interview nach dem anderen planen, der Neanderthaler in der Hochbahn ist seines Lebens überdrüssig und der gerade neu entdeckte Shakespeare scheint, wider Erwarten, keine Fälschung zu sein.

Alles in allem werden es also recht normale Tage im Leben von Thursday Next gewesen sein, damals im Jahr 1985. Wenn sie nur nicht dieses Gefühl hätte, dass da jemand nach ihrem Leben trachtet. Ein wenig mehr als ein Gefühl ist es aber schon, denn immerhin hat sie sich gerade eine tödliche Kugel eingefangen. Gut nur, dass man die Sache mit der Zeit nicht so eng sehen muss und dass Papi wieder einmal im rechten Moment aus einem Zeitportal heraushuscht um mit Thursday zu sprechen.

Thursdays Papi hat auch einen guten Grund, seine Deckung irgendwo in der Zeit zu verlassen, denn am 12. Dezember, also in ca. 3 Monaten (oder in 2, oder vor einem Jahr – reine Ansichtssache) geht die Welt unter – diesmal aber wirklich, das ist keine von den üblichen, massenhaft auftretenden, Endzeitbotschaften irgendeines Endzeit-Messias. Und dann, am 12. Dezember, wird alles Leben zu so einem rosa Schleim, von dem Papi auch gleich ein Muster mitgebracht hat/mitbringen wird.

Thursday ist nach der Nichtung von Hades zwar gerade die Heldin der Nation und soll mit ihrem guten Image helfen, das schlechte von SpecOps zu verbesser, aber erstens macht ihr das nicht wirklich Spaß udn zweitens muss sie erfahren, dass der gerade von ihr zur Strecke gebrachte Oberschurke Hades gar nicht der oberste Oberschurke war, dass er bestenfalls unter den Top 3 rangiert. Womit sich die Sache mit den Anschlägen auf ihr Leben aber andererseits ganz gut erklären lässt – die Bösewichte sind am Leben, anscheinend aktiv und Thursday muss wieder ans Werk. Ausser, ja ausser Hades selbst ist doch noch am Leben.

Und darüber hinaus stellen sich für Thursday noch einige wichtige Fragen, mit deren Beantwortung sich das Buch vorerst aber noch Zeit lässt: Welchen Verbrechens wird sie eigentlich angeklagt und wer ist dieser Snell, der ihr immer zur unpassendsten Zeit etwas ins Ohr flüstert? Wird Sie nochmals mit Landen verheiratet gewesen sein und von wem ist das Baby in ihrem Bauch? Wie kommt man auch ohne ProsaPortal in ein Buch, konkret in eines von Edgar Allen Poe?

Ich gestehe – Inhaltsangabe ist jetzt das keine gewesen, eher ein Beitrag zur Verwirrung, aber es ist auch recht schwer eine Zusammenfassung über den Inhalt zu verfassen. „In einem anderen Buch“ (warum wurde eigentlich nicht der englische Originaltitel „Lost in a Good Book“ übersetzt verwendet?) ist eine Abfolge von intelligentem Ideenfeuerwerk, skurrilen Geschichten und spaßigen Dialogen. Es geht hin und her zwischen Gestern, Heute und Morgen, mal hinein ins Buch, dann wieder heraus und weiter in hinein anderes – einfach ein durchgehendes Vergnügen.

Dieses „andere Buch“ ist so etwas wie eine Fortsetzung, der 2. Band mit Thursday Next und wegen der vielen Rück- Querver- und Hinweise -blicke ist chronologisches Lesen – also zuerst das eine Buch „Der Fall Jane Eyre“, dann erst dieses andere hier – durchaus ratsam. Denn nur so kennt man sich in dieser Parallelwelt soweit aus, um mitlesen zu können – anderenfalls kennt man sich nicht (wirklich) aus und kann diesen ganzen schrägen Nonsense nicht ungetrübt geniessen.

Oft gibt es Formulierungen, bei denen ich wirklich laut lachen musste, manchmal erst ein paar Zeilen später, weil es ein wenig brauchte, um an die Oberfläche zu sickern. Überhaupt glaube ich, dass, hielte man sich einen Spiegel beim Lesen vor, man dauernd sein eigenes Grinsen sehen würde.

Nichts für wahrhaft und ausschließlich ernsthafte Menschen – für alle anderen gilt: auf gehts und viel Spaß beim Lesen!

PS: wie gewohnt, fehlt Kapitel 13. Oder es kommt erst irgendwann später nach, oder es ist schon wieder weg.

PPS: ich wusste vorher nicht, wie wichtig diese, schnell einmal verwaschenen, Waschanleitungen sind, die in den Kleidungsstücken eingenäht sind. Auf die sollte man ganz besonders aufpassen.



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