Buchbesprechung/Rezension:

Petra Hartlieb: Buberlpartie
Alma Oberkofler ermittelt (2)

Buberlpartie
verfasst am 11.08.2026 | einen Kommentar hinterlassen

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[Die] Buberlpartie: Fachbegriff aus der österreichischen Innenpolitik, der eine Gruppe von „wahnsinnig dynamischen“ jungen Männern bezeichnet, die allesamt sehr professionell daran gehen, sich am Vermögen des Staates zu bedienen.

Jörgls Buberlpartie hat es ja nach vielen Jahren endlich fast vollständig vor Gericht und dann ins Gefängnis gebracht, aber die Freunderlwirtschaft ist deshalb bei uns noch lange nicht verschwunden.

Und wohl genau deshalb hat Petra Hartlieb diesen perfekt auf den Punkt gebrachten Krimi geschrieben: um die Netzwerke und stark korruptionsaffinen Verbindungen zwischen Politik und Wirtschaft vor den Vorhang zu zerren (was für ein zeitlicher Zufall, das gerade jetzt die Affäre rund um Walter Ruck, den Präsidenten der Wiener Wirtschaftskammer publik wurde).

Der große Knall steht gleich am Beginn: Ein stadtbekannter Bauunternehmer-Sohn rast mit seinem E-Auto in ein Lokal und alles fliegt in die Luft. Was daran, abseits vom eigentlichen Geschehen, so brisant und speziell ist?

Erstes ist Chefinspektorin Alma Oberkofler selbst Augenzeugin, zweitens ist der Fahrer (der das auch nicht überlebt) nebenbei auch noch ein politischer Rechtsaußen mit Ambitionen auf Machtübernahme im Windschatten eines gewissen „Volkskanzlers“, drittens ist das Lokal ein jüdisches Lokal, dessen Besitzer ebenfalls ums Leben kommt und viertes ist ein weiteres Opfer ein Investigativjournalist, der einer großen Sache auf der Spur war.

Bei so einem Ereignis dauert es nicht lange, bis die Gerüchte und Verschwörungstheorien überall aufpoppen, wir kennen das ja. Von rechtsextremem Applaus, weil ein jüdisches Lokal zerstört wurde, bis Vorahnung auf eine neue Terrorwelle liest man da alles. Die Politik ist auch bald involviert und, man will ja keine Schwierigkeiten haben, drängt auch baldigen Abschluss der Ermittlung – ein simpler Unfall, vielleicht ausgelöst durch einen Schlafanfall des Fahrers wäre doch für alle die beste Lösung, oder?

Von Anfang an fühle ich mich so richtig in die Story hineingezogen. Die handelnden Personen lernt man sehr schnell sehr gut kennen, wenn auch – so viel kann ich hier verraten – nicht alles tatsächlich so ist, wie der erste Eindruck zu versprechen scheint.

Dazu beschreibt die Autorin die Verhältnisse in Österreich so realistisch, dass man meinen könnte, die ganze Affäre gäbe es wirklich. Zu lesen ist über den von einem früheren Innenminister zu Pferd beinahe völlig zerschlagenen Nachrichtendienst, in dem noch immer Freunde der Völkischen werken. Dann ist von der nicht immer diskreten Einflussnahme zum Zweck der Machterhaltung zu lesen und von der recht skrupellosen Durchsetzung persönlicher Interessen. Nicht zu vergessen die Mauscheleien und die gut gefüllten Kuverts, die über Tische wandern.

Dazu noch das unentwegte und kampagnenartige Geschrei auf den diversen Social-Media-Kanälen, das nur dem einen Zweck dient, die eigene Agenda gegen alles andere durchzubringen.

Es ist nicht einfach in diesem Tollhaus eine korrekte Ermittlung zustande zu bringen. Dass Alma Oberkofler es doch schafft, jedenfalls so lange es keine anderslautenden Weisungen von oben gibt, grenzt da schon an ein kleines Wunder und ist auch der Erfolg ihres Teams und ihrer eigenen Connections zu anderen Behörden.

Überraschende Erkenntnisse, die aber nie gekünstelt oder zufällig wirken, Spannung, die aus den so glaubhaft beschriebenen Ermittlungen entsteht: „Buberlpartie“ ein rundum toller Krimi mit direkter Anbindung an die Verhältnisse in unserem Land.

Dieser Krimi ist einer meiner Favoriten des Jahres 2026 und eine unbedingte Leseempfehlung!




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