Buchbesprechung/Rezension:

Oliver Pötzsch: Das Mädchen und der Totengräber
Ein Fall für Leopold von Hertzfeld (2)

Das Mädchen und der Totengräber
verfasst am 12.07.2026 | einen Kommentar hinterlassen

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Leopold von Herzfeldt ermittelt wieder …

In diesem zweiten Fall bekommt es Criminalinspector Leopold von Herzfeldt mit einem bizarren Mordfall zu tun: Der bekannte Ägyptologe Professor Strössner wird mumifiziert in der Ägyptischen Sammlung des Wiener Kunsthistorischen Museums gefunden. Woran ist Strössner, der sich vor einiger Zeit mit einer hochkarätigen Forschergruppe in Ägypten befunden hat, gestorben? Um die Gerüchte über einen „Fluch des Pharaos“ hintanzuhalten, sollen die Akte – auf „höchsten Wunsch“ (sprich auf Befehl des Kaiserhauses), aber zum Missfallen von Leopold von Herzfeldt, geschlossen und die Ermittlungen eingestellt werden. Als Herzfeldt herausfindet, dass neben Strössner noch zwei andere Expeditionsteilnehmer verstorben sind, klingeln bei ihm alle Alarmglocken.  

Gleichzeitig beschäftigt eine Reihe von Morden an jungen Männern, die sich augenscheinlich als männliche Prostituierte verdingen, die Wiener Polizei. Weil die Leichen in verschiedenen Bezirken Wiens gefunden werden, wird ein Zusammenhang anfangs nicht wahrgenommen wird, obwohl eine grausame Gemeinsamkeit unübersehbar ist: Den Toten wurden Penis und Hoden entfernt. 

Während Herzfeldts Kollegen Leinkirchner und Loibl diese Mordserie nur mit mäßigen Interesse verfolgen und deren Aufklärung ziemlich lustlos betreiben, verschafft sich Herzfeldt einen Überblick über die Fundorte der verstümmelten Leichen. Er hängt einen Plan von Wien an die Wand, markiert die Auffindungsorte und entdeckt eine weitere Gemeinsamkeit. Dass er damit seinem Kollegen Leinkirchner, der ohnehin auf ihn, Herzfeldt, nicht gut zu sprechen ist, weitere Munition für Intrigen liefert, ist sowohl dem Criminalinspector als auch den Leserinnen und Lesern bewusst. 

Natürlich dürfen auch Totengräber Augustin Rothmeyer und Polizeifotografin Julia Wolf nicht fehlen. Die beiden haben einen wesentlichen Anteil an Herzfeldts Ermittlungsergebnissen.  

Meine Meinung: 

Oliver Pötzsch ist mit diesem zweiten historischen Krimi rund um Leopold von Herzfeldt, Augustin Rothmeyer und Julia Wolf eine fesselnde Fortsetzung gelungen. Der Autor vermittelt den Lesern die Gegensätze der morbiden sogenannten „Besseren Gesellschaft“, die sich mit Mumien-Partys die Zeit vertreibt und den täglichen Überlebenskampf der unterprivilegierten Einwohner Wiens geflissentlich negiert. Oliver Pötzsch zeigt seinen Lesern das ungeschönte Wien, die Prostitution oder den Antisemitismus, der auch tief in der Polizei verwurzelt ist.  

Sehr interessant ist auch Herzfeldts Ausflug in die Wiener Kanalisation, die nicht erst seit Graham Greenes Nachkriegsthriller „Der dritte Mann“, bekannt ist.  

Wenn wir heute Krimis lesen (und sehen) sind uns Whiteboards, DNA-Abgleiche etc. vertraut und Verbrecher werden oft durch Fallanalysen überführt. 1894 aber, steckt die moderne Kriminologie noch in den Kinderschuhen. Häufig werden, je nach zeichnerischen Geschick der ermittelnden Beamten nur mehr oder weniger gute Skizzen vom Tatort angefertigt. Fotos sind teuer, doch für Herzfeldt ein wichtiges Beweismittel. Selbst die Daktyloskopie, die in England schon eingeführt ist, stößt hier in Wien noch auf Ablehnung.  

Gut gefällt mir, dass beiden Fällen genügend Raum gegeben wird. Interessant ist auch der Ausflug in die „Völkerschau“ im Prater Tiergarten. Eine damals übliche, wenn auch üble Attraktion, bei der Menschen aus Afrika wie Tiere im Zoo bestaunt werden konnten. Natürlich gerät auch ein Mitglied dieser Gruppe unter Mordverdacht, als ein Tierpfleger angeblich von einem Löwen zerfleischt worden ist. Dass hier etwas ganz anderes dahintersteckt, versteht sich von selbst.

Das Privatleben der drei Hauptbeteiligten, Herzfeldt, Wolf und Rothmeyer, findet auch seinen Platz in diesem Krimi. Dabei darf sich vor allem Julia Wolf weiterentwickeln.

Für Leser, die sich im historischen Wien nicht so gut auskennen, gibt es einen Stadtplan und ein Glossar, das die geläufigsten Ausdrücke übersetzt.  

Fazit: 

Diesem penibel recherchierten und fesselnd erzählten historischen Kriminalroman gebe ich leichten Herzens 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung.




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