Buchbesprechung/Rezension:

Susanne Betz: Heumahd


verfasst am 03.09.2022 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Betz, Susanne, Historische Romane
LiteraturBlog Bewertung:

Die Autorin:
Susanne Betz wurde 1959 in Gunzenhausen in Bayern geboren. Sie studierte in Deutschland, den USA und Kolumbien Geschichts- und Wirtschaftswissenschaften und arbeitete anschließend für verschiedene Zeitungen. Heute lebt sie in München und ist Hörfunkredakteurin beim Bayerischen Rundfunk. „Heumahd“ ist ihr 4. Roman.

Einige ihrer aktuellen Reportagen gibt es hier zum Nachhören: www.br.de

Der Inhalt:
1886 Werdenfelser Land, Bayern:
Die Geschichte beginnt mit dem Begräbnis von Ludwig Grasegger, einem 43-jährigen Bergbauern. Er kam in einer eiskalten Winternacht auf dem Nachhauseweg vom Loisbichler Wirtshaus ums Leben. Er war wohl in betrunkenem Zustand gestürzt, eingeschlafen und dann erfroren.

Die Dorfgemeinschaft drückt der 23-jährigen Witwe und Heldin des Buchs Vroni Grasegger auf unterschiedlichste Art und Weise ihr Beileid aus. An ihrer Seite steht die 7-jährige Rosi, das Idiotenkind, wie es von der Dorfgemeinde genannt wird. Das Mädchen leidet am Down-Syndrom und ist das Kind aus der ersten Ehe von Vronis verstorbenen Mann. Die Mutter ist bei Rosis Geburt gestorben.

„Niemand sollte ihr anmerken, dass sie wie schon in der Kirche auf ihrem Platz auf der Frauenseite, der mit einem Messingschild als der der Graseggerbäuerin ausgewiesen war, an den Schweinsbraten dachte, den sie zum Leichenschmaus bestellt hatte. Und an die nächste Nacht und alle weiteren Nächte, in denen sie ebenso gut schlafen würde wie in der ersten nach dem Tod des Bauern.“

Vroni ist nicht traurig, dass ihr Ehemann gestorben ist. Im Gegenteil, sie fühlt sich befreit und erleichtert. Er war ein jähzorniger Mensch und sie wurde mehrfach Opfer seiner körperlichen Übergriffe und Schläge. So kann sie sich auch keine weitere Ehe vorstellen. Zu groß und bedrückend war das Leid der letzten.

Während des Leichenschmauses merkt sie, dass ein Fremder sie beobachtet. Sein Name ist Wilhelm Leibl, ein bekannter Kunstmaler. Er soll den Hitzinger Bauern malen. Im Lauf des Romans lernen sich Leibl und Vroni immer besser kennen. Sie genießt die Tatsache, dass sie von ihm nichts zu befürchten hat, da er homosexuell ist.

Auf dem entlegenen Bergbauernhof versorgt Vroni mit dem Knecht Korbinian und der Magd Josefa die Tiere. Sie betreut auch den pflegebedürftigen Onkel, der bei ihnen lebt.

Den Roman hindurch begleitet man Vroni auf ihrem neuen Lebensabschnitt und bekommt einen wirklich guten Einblick in ihr Leben als alleinstehende Bäuerin.

Mein Fazit:
Dieser Roman hat mir richtig gut gefallen. Mich hat das Leben in der damaligen Zeit, das die Autorin so eindrucksvoll und bildhaft beschreibt, sehr bewegt. So fühlte ich mich in diese Zeit zurück versetzt und ich konnte so einiges über den Alltag in dieser bäuerlichen Gesellschaft lernen. Der Roman vermittelte mir das Gefühl, eine Biografie zu lesen, die Figuren des Romans sind aber bis auf den Maler Leibl alle fiktiv.

Vroni ist eine sehr sympathische Buchheldin und es tut gut, dass sie trotz all den Problemen ihren Lebensmut nie verliert und immer positiv bleibt. Deshalb hat es mich sehr gefreut, dass der Roman ein Happy End für sie bereit hält.

Ein wenig hat mich das Buch an die Geschichten von Peter Rosegger erinnert. Zum Glück verzichtete die Autorin aber auf langatmige Landschaftsbeschreibungen.

Ein sehr kluges und intelligentes Buch, das mir viel Freude beim Lesen gemacht hat!




Einen Kommentar hinterlassen

* erforderlich. Beachten Sie bitte die Datenschutzerklärung


Top