Buchbesprechung/Rezension:

Deb Olin Unferth: Happy Green Family


verfasst am 19.02.2022 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Gesellschaftromane, Unferth, Deb Olin
LiteraturBlog Bewertung:

Über die Autorin:
Deb Olin Unferth wurde am 19. November 1968 in Amerika geboren. Sie arbeitete für mehrere Magazine, unter anderem für „The New York Times“, „The Boston Review“, „Harpers’s Magazine“ und noch einige mehr. Für ihre Kurzgeschichten und Bücher wurde sie schon mit einigen Preisen ausgezeichnet. So zum Beispiel mit dem Guggenheim Fellowship Award 2018. Auf der Universität Texas in Austin ist sie
als Professorin für kreatives Schreiben tätig.
Ins Deutsche übersetzt wurde der Roman von Barbara Schaden.

Über das Buch:
Janey, 15 Jahre alt, erfuhr erst vor kurzem von ihrer Mutter, einer Latina, dass ihr Vater doch kein weißer Samenspender war, sondern in Iowa lebt. Deshalb haut sie von zu Hause in Brooklyn ab, um ihren Vater in einem Kaff im südlichen Iowa zu besuchen. Sie findet sich in einem Land voller Fernfahrerkneipen, Monokulturen und überfüllter Gefängnisse wieder. Obwohl sie ihm ihren Besuch via SMS angekündigt
hat, wird sie nicht abgeholt und sie macht sich alleine auf den Weg zu seinem Zuhause.

Ihr Vater ist mit ihrem Besuch überfordert.

Sie spürte das Vinyl unter sich (natürlich besaß ihre Mutter kein potthässliches Plastikteil wie dieses und würde nie so was besitzen), sie roch seine alten Klamotten, die Kakerlaken in den Mauern, und genau in diesem Moment (sie spürte es wie ein einrastendes Schloss) begann die Abstumpfung (die allerdings Jahre andauern sollte), denn sie packte nicht noch am selben Abend ihre Sachen und marschierte zum Busbahnhof zurück, was das Richtige gewesen wäre. Sie blieb, wo sie war, denn sie würde dafür sorgen, dass dieser Mann sie kennenlernte; zumindest würde sie ihn dafür büßen lassen, dass er sie nicht kennt.

Nach zwei Monaten, Janey ist immer noch bei ihrem Vater, erleidet ihre Mutter einen tödlichen Autounfall. Da es sonst keine Angehörigen gibt, bleibt ihr nichts anderes übrig, als jetzt fix mit ihm zusammenzuleben.

Zunächst geht sie nicht in die Schule. Ihrem Vater ist das egal. Bis ein Sozialarbeiter kommt und sei dazu zwingt.

Die ersten paar Jahre lebte sie niedergeschmettert von Trauer und Schuld, mit dem Ziel, so abwesend wie möglich zu bleiben. Genau wie ihr Vater. „Die neue Janey hatte eine lange Liste mit Dingen, die ihr scheißegal geworden waren: das Debattieren, der Schachclub, Clubs jeglicher Art, Mitschüler jeglicher Art, Sport und alle Unterkategorien, das College, die Zukunft im Allgemeinen.

Als Janey nach ihrer Ausbildung auf der Suche nach einem Job ist, erhält sie die Möglichkeit, im Büro der Betriebsprüferin Cleveland anzufangen.

Cleveland hat immer mal wieder Hühnerlegebatterien zu überprüfen. Bei einer dieser Routineinspektionen auf der Hühnerfarm „Happy Green Family“, läuft Cleveland Bwwaauk, ein entflohenes Huhn, über den Weg. Sie nimmt Bwwaauk bei sich auf und ab diesem Zeitpunkt befreit sie immer wieder ein paar Hennen.

Janey beobachtet Cleveland, wie sie verbotenerweise Hennen in den Industrieanlagen fotografiert und filmt. Bilder von offenen Wunden, Legedarmvorfällen, blutigen Leichen in Abfalleimern entstehen. Von da an stehlen bzw. retten die beiden gemeinsam Hennen aus den Betrieben. Bis sie anfangen, eine große Rettungsaktion zu planen, was sich im Laufe der Geschichte zu einem Drama entwickelt.

Mein Fazit:
Aus welchen Gründen auch immer, glaubte ich, mit dem Roman, ein humorvolles, lustiges Buch in Händen zu halten. Nach den ersten Seiten wurde ich aber eines Besseren belehrt.

Tatsächlich handelt es sich um einen sozialkritischen Gesellschaftsroman, verknüpft mit dem Wahnsinn der industriellen Massentierhaltung. So erfuhr ich viel über die Eierproduktion und den damit oft verbundenen Gräueltaten: „Kupieren“ = Abschneiden des Schnabels, „Zwangsmauser“ = mehrtägiger Futterentzug usw.

Den Schreibstil fand ich zynisch und düster, manche Formulierungen derb. Der Roman lässt sich nicht einfach nebenher lesen, da der Inhalt bedrückend und die Sätze manchmal sehr lang und verschachtelt sind.

Zusammengefasst ein sehr nahegehender und informativer Roman, aber keine Wohlfühllektüre.




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