Buchbesprechung/Rezension:

Michael Hjorth, Hans Rosenfeldt : Die Früchte, die man erntet
Ein Fall für Sebastian Bergman (7)


verfasst am 24.10.2021 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Hjorth, Michael, Kriminalromane, Rosenfeldt, Hans
LiteraturBlog Bewertung:

Es ist Vanja Lithners erster Fall als neue Leiterin der Reichsmordkommission. Den Job bekam sie, nachdem Torkel Höglund, ihr Vorgänger, wegen seines übermäßigen Alkoholkonsums nicht mehr als als Chef zu halten war. Vanja reist mit ihrem Team nach Karlshamn in der Nähe von Malmö, wo schon der das dritte Opfer eines Heckenschützen gefunden wurde.

Noch herrscht Ruhe in der Bevölkerung, doch mit jedem weiteren Opfer steigt die Gefahr einer Panik. Dabei gibt es für die Polizei kaum verwertbare Spuren, denen nachgegangen werden kann: von wo aus wurde geschossen? Warum musste ausgerechnet diese drei Menschen sterben? Wem gehört die Tatwaffe?

Der Albtraum Vanjas ist es, dass die Opfer zufällig ausgewählt wurden, es würde dann umso schwerer sein, weitere Taten zu verhindern. Die ersten Erhebungen befassen sich daher mit möglichen Gemeinsamkeiten der Opfer.

Überrascht bin ich, dass schon bald klar wird, wie alles zusammenhängt und auch bald erkennbar ist, wer für die Morde verantwortlich ist. Diesbezüglich hätte ich mir etwas mehr an Spannung und Unerwartetem erhofft.

Lässt sich dieser eine Fall also recht bald aufklären, so wird ein anderer Fall zur selben Zeit hochaktuell. Es ist ein Fall, der schon in den Vorgängerromanen begann, der jedoch niemals gelöst werden konnte. Ein Fall, der Vanja und Sebastian Bergmann persönlich betrifft. Hat Bergman bei der Verfolgung des Heckenschützen noch kaum eine Rolle gespielt, so rückt er in diesem zweiten Kriminalfall des Romanes mehr ins Zentrum: Er hat die Eingebung, was geschehen sein könnte, er überzeugt andere davon, der Spur zu folgen und er befindet sich selbst bald im Brennpunkt.

Sebastian Bergman, der Namensgeber der Krimireihe, rückt ein Stück in den Hintergrund der Erzählung. Sein selbstgefälliges Verhalten und sein oft menschenverachtendes Handeln, die ihn zu einem Außenseiter machten, sind zunehmend einer verbindlicheren Art gewichen; verantwortlich dafür ist vor allem seine Enkelin Amanda, mit der er so viel Zeit wie möglich verbringt. 

Im ersten Teil des Buches liest man von Bergman nur ein paar zusammenhanglos erscheinende Erinnerungen. Es wird aber, so viel kann man enthüllen, später klar, warum man auch diese Abschnitte dennoch lesen sollte, in denen es um Verluste und um eine Katastrophe geht, bei der er, beinahe 20 Jahre liegt es zurück, seine Tochter verlor. Mit Amanda hat er nun endlich wieder einen Menschen gefunden, dem er seine Zuneigung vorbehaltlos widmen kann.

Der Fall mit den Heckenschützen erinnert in sehr vielen Details an einen ähnlichen Fall in den USA. Davon haben die Autoren mehr als nur Anleihen genommen, sie haben zentrale Teile des damaligen realen Geschehens nur wenig abgewandelt in die Handlung eingebaut.

Die Spannung ist also nicht allzu hoch, weil man meist ja schon recht früh erfährt, was geschieht – und sich wegen der aus den Nachrichten bekannten Ereignisse den Rest teilweise selbst zusammenreimen kann. Dem Lesetempo tut das aber (fast) keinen Abbruch, denn etwas zu wissen heißt ja noch nicht, das Ergebnis tatsächlich in Händen zu halten. In diesem 7. Band der Reihe wissen die LeserInnen übrigens fast durchgehend mehr als Vanja, Bergman und das Team – man ist also quasi live dabei, wie Polizei und Täter einander immer näher kommen.

Einiges aus den Vorgängerromanen wird in „Die Früchte, die man erntet“ aufgeklärt.

Doch kurz vor dem Ende machen es Hjorth & Rosenfeldt schon wieder – sie bauen gleich mehrere Cliffhanger ein, von denen man zumindest eines genau weiß: Es wird auch einen 8. Band geben …




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