Melanie Raabe: Der Schatten

verfasst am 05.09.2020 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Raabe, Melanie, Thriller

Wer ist Arthur Grimm? Was hat er, wenn überhaupt, mit Doroteja Lechner zu tun? Betritt jemand heimlich ihre Wohnung oder ist sie einfach nur unaufmerksam und findet diese verschwundenen Gegenstände nicht?

Für Norah Richter ist der Umzug von Berlin nach Wien eine Flucht vor den Fehlern, die sie bisher in ihrem Leben machte. Der letzte Fehler, der, der alles Folgende überhaupt erst in Gang brachte, war, Alex zu verlassen. Nun trifft sie ihn Wien ein, ist ganz begierig darauf,  ihren neuen Job bei der Zeitung anzutreten … und findet sich in einer Welt voller seltsamer Ereignisse und düsterer Gedanken.

Es ist so ganz anders, als Norah sich ihren Neubeginn in einen weiteren Lebensabschnitt vorgestellt hatte.

Zufälle, Einbildung; oder doch real?
Eines ist schon von der ersten Seite an klar: das wird ein rasantes Leseerlebnis.

Denn von Beginn an macht Melanie Raabe Tempo bei Handlung, Spannung und entwickelt Stück für Stück ein Verwirrspiel, das einen nicht loslässt. In welche Richtung das alles führt, ist dabei lange, bis zur Hälfte des Romanes, völlig unklar. Ist ein Stalker am Werk? Möchte jemand Rache nehmen und falls ja, wofür? Läuft eine Intrige gegen Norah? Sind Freunde wirklich Freunde? Wer weiß von den Vorgängen und wer gerät nur durch Zufall in die Ereignisse?

Schon der Beginn des Verwirrspieles ist ungewöhnlich: eine Bettlerin prophezeit Norah, dass sie am 11. Februar einen Mord begehen würde.

Norah Richter mag zwar selbst im Dunklen tappen, sie ist aber uns LeserInnen trotzdem immer einen Schritt voraus. Denn wir erfahren nicht alles, was sie selbst liest, erkennt oder plant. So wird  man doppelt auf falsche Fährten geführt oder zu falschen Schlussfolgerungen verleitet. Wenn sich am Ende alles auflöst, dann wird man aber sehen, dass es doch schon einige Hinweise gegeben hatte …

Vom Anfang bis zum Schluss bleibt es spannend, aber doch auch etwas oberflächlich. In dem von Melanie Raabe beschriebenen Wien fand ich mich nicht wieder, alles hätte auch in einer anderen Stadt geschehen können. Und die Protagonisten bleiben distanziert, trotz aller Einblicke sind sie in unbestimmbarer Weise unpersönlich.

Das mindert das Thrillervergnügen aber nur minimal, der Roman bleibt bis zur letzten Seite ein wahrer Pageturner. Nicht oft wird man ein Buch mit rund 400 Seiten in so kurzer Zeit verschlingen.

Nominiert für den Leo-Perutz-Preis für Kriminalliteratur 2019



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