Emily Walton: Der Sommer, in dem F. Scott Fitzgerald beinahe einen Kellner zersägte

verfasst am 29.08.2020 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Historischer Roman, Walton, Emily

Ein Sommer wie damals. Es ist das Jahr 1926, als F. Scott Fitzgerald gemeinsam mit seiner Frau Zelda in Südfrankreich die Arbeit an seinem neuen Roman beginnen möchte. Ein Jahr zuvor haten er den „Der Große Gatsby“ veröffentlicht, damit aber nicht den von ihm erhofften Verkaufserfolg erzielt. Mit seinen neuen Roman wollte er sich und endgütlig in den Olymp der Literaten katapultieren.

Emily Walton erzählt anhand historischer Quellen, wie es dazu kam, dass F. Scott Fitzgerald in diesem Sommer nicht erreichen konnte und wie es sich in diesem Sommer entschied, dass er nie wieder einen großen, gefeierten Roman schreiben würde.

Es ist ein Eintauchen in die Welt der 1920er, als die Erinnerung an den 1. Weltkrieg zu verblassen begann und als die dunklen Wolken der aufziehenden neuen Katastophen noch nicht am Himmel zu sehen waren. In Paris und an der Mittelmeerküste treffen viele der Großen der Kunstszene zusammen. Sie suchen Erholung, die möchten Kraft für neue Projekte tanken, sie amüsieren sich. Im Zentrum stehen Sara und Gerald Murphy, die in ihrem Anwesen in Antibes die etablierten und die aufstebenden Protagonisten der Kunstszene empfangen. F. Scott Fitzgerald und seine Frau zählen zum Kreis der engen Freunde der Murphys, ebenso wie, unter anderen, Cole Porter, Pablo Picasso und Ernest Hemingway.

Antibes an der Mittelmeerküste ist, so wie auch die anderen Orte dort, in den 1920ern noch kein Touristen-Magnet, noch ist man mehr oder weniger unter sich.

Aus all diesem entstand mit „Der Sommer, in dem F. Scott Fitzgerald beinahe einen Kellner zersägte“ ein Roman, der eintaucht in die Stimmungen und die Atmosphäre. Emily Walton beschreibt einen zutiefst verunsicherten F. Scott Fitzgerald, der keinen Weg findet, an seine literarische Kreativität der zurückliegende Jahren anzuschließen und seine Schwäche mit Grobheiten und  Unverschämtheiten gegenüber den ihm wohlgesonnenen Mneschen kompensiert. Er isoliert sich mehr und mehr.

Mit Ernest Hemingway hat dieser Roman auch einen Neben-Hauptdarsteller. Man kann miterleben, wie sich das Verhältnis der beiden Schriftsteller zueinander entwickelt, wie F. Scott Fitzgerald  eine Zeit lang Gefallen und Erfüllung darin findet, den jungen Hemingway bei dessen beginnender Karriere zu fördern und zu unterstützen.

Im Hintergrund wird auch das Leben in der Mitte der 1920er lebendig, in bemerkenswert greifbaren Szenen liest man über die Feste, die Begegnungen, über das Selbstverständnis der Menschen.

Am Ende dieses Sommers hat F. Scott Fitzgerald seinen dann noch vierzehn Jahre andauernden Abstieg in die Niederung der mäßig erfolgreichen Schriftsteller unwideruflich begonnen. Ein Abstieg, der im Jahr 1940 mit seinem frühen Tod, er wurde nur 44 Jahre alt, endet.

Ein sehr empfehlenswerter Roman, der unglaublich viele Einblicke und Eindrücke vermittelt. Das Jahr 1926 wird wahrhaft lebendig.



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