Andreas Pittler: Schatten aus Stein
Ein Fall für Paul Zedlnitzky

Andreas Pittler ist ja als Vielschreiber bekannt. So erfreut es umso mehr, dass nach Abschluss seines „Wiener Triptychons“ mit der Wiener Himmelfahrt im Herbst des Vorjahres bereits das nächste Buch aus der Feder des bekannten Bestsellerautors vorliegt.

Diesmal ist es ein neuer Ermittler, der uns in den Bann zieht. Mit Paul Zedlnitzky schickt Pittler eine stimmige Figur aus, um einen Mörder zu fangen. Dabei ist er so ganz neu auch nicht (wer sich an den „Fluch der Sirte“ erinnert, wird vielleicht auch noch den Ermittler mit den unaussprechlichen Namen in Erinnerung haben.) Er ist knapp über dreißig, verheiratet, Vater zweier heranwachsender Kinder und findet seine Frau immer noch sexy.  

Wir schreiben das Jahr 1986 und das eher beschauliche Familienleben der Zedlnitzkys wäre beschaulich, wenn da nicht plötzlich diese Wolke aus Tschernobyl in dieses Idyll einbrechen würde. Und dann ist da noch der Mord an einem Dentisten namens walter Dinotti im 5. Bezirk. Der Mann war nicht sonderlich begütert aber auch schuldenfrei und ein Motiv lässt sich für den Mord einfach nicht finden. Zudem ist auch noch die Tatwaffe, der berühmte stumpfe Gegenstand, verschwunden. Doch als Leser ist man dem Krimineser insofern einen Schritt voraus, da Pittler das Buch geschickt mit Rückblenden bereichert, die einem mit der Figur eines verurteilten Naziverbrechers, Willi Birgler, bekannt machen, dem es zu Beginn des Buches gleich gelingt, aus dem amerikanischen Straflager, wo er auf seine Hinrichtung wartete, zu flüchten. Und nachdem Birgler wegen des Massakers in der Strafanstalt in Stein, wo einige hundert Gefangene in den letzten Kriegstagen hingemetzelt wurden, zum Tode verurteilt wurde, ahnt man die Bedeutung des Buchtitels nach und nach. Denn diesem Birgler gelang es nach dem Krieg nicht nur wieder in Österreich Fuß zu fasse, nein, er machte sogar ordentlich Karriere.

Doch zurück zu Zedlnitzky: Der steckt ein wenig in den Ermittlungen fest und bekommt daher immer öfter vom Staatsanwalt Reichenberger die Leviten gelesen. Denn der Jurist glaubt, dass der Täter in der Patientenkartei des Opfers zu finden sein müsste. Zedlnitzky verfolgt jedoch eine andere Spur. Denn er hat herausgefunden, dass Dinotti einer der wenigen Überlebenden des Massakers war. Er begibt sich auf Grundlagenforschung und konsultiert ua das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstand, wo der Autor sogar einen Cameoauftritt bekommt (was aber auch der realen Biografie entspricht).

Das Buch überzeugt wieder einmal mit den zeitgeschichtlichen Rückblenden. Wir haben neben der Atomkatastrophe auch noch Präsidentschaftswahlkampf („Jetzt erst recht!“) und dürfen uns wieder daran erinnern, dass es damals einen Kurt Steyrer gab. Wir erinnern und an Vierteltelefone, den Abschied von der Wählscheibe und die modischen Auswüchse, als alle Frauen in zuckerlrosa Leggins auf Aerobic-Queen machten. Männer gerierten sich noch als Paschas und Nikotin war der Sauerstoff des ermittelnden Beamten.

Was man aber nicht zu betonen vergessen sollte: Der Fall hat es wirklich in sich und überrascht auch in kriminalistischer Hinsicht.



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