Alexander Lernet-Holenia: Die Abenteuer eines jungen Herrn in Polen

Als sich der sehr junge Leutnant Keller nach einer fehlgeschlagenen Kavallerieattacke, nun ohne Pferd, hinter den russischen Linien wiederfindet, scheint sein Schicksal besiegelt. Was tun, so alleine, abgeschnitten von den Truppen des Kaisers, ausgeliefert den Häschern des Zaren?

Nun, Keller ist nicht auf den Kopf gefallen, also verkleidet er sich kurzerhand als Magd, gibt sich den Namen Kascha und hofft dergestalt dem sicher scheinenden Tod (oder jedenfalls der Gefangenschaft) zu entrinnen.

Lernet-Holenia amüsiert sich sichtlich großartig, wenn nun er die Leserinnen und Leser mit einem ganzen Berg polnischer und russischer Namen überschüttet. Wenn die mit dem redet, eine sich mit einem trifft, er mit ihr anbandelt, dann führt uns der Autor mit seinem Namens-Irrgarten nur so in die Irre, dass die alle so ähnlich klingenden Namen vor den Augen verschwimmen.

Was der Leutnant aber nicht bedachte – oder vielleicht doch? Hatte er gar damit spekuliert? – ist, dass er als Magd eine sehr gute Figur macht; was doppelt und eindeutig zu verstehen ist. Die Herren beginnen ihn zu umschwirren (wie Motten das Licht…)  und ein gleichfalls junger, polnischer Leutnant, scheint ganz verschossen in diese schweigsame Magd, die nur ein paar Brocken polnisch spricht.

Keller/Kascha verdreht aber alsbald nicht nur ihm, sondern allen Herren in seiner/ihrer Umgebung gehörig den Kopf. So sehr gewöhnt sich Keller an die Avancen, die da von allen Seiten auf ihn einstürmen, dass er bald sehr zufrieden mit seiner Camouflage als Kascha zu sein scheint.

Was aber wird wohl passieren, wenn er selbst auf eine jungen Frau trifft, die sein eigenes Herz berührt? Ob er dann weiter die verführerische Magd bleiben möchte, oder doch wieder zum schneidigen Leutnant wird, das wird man erfahren …

Verwirrungen, Verirrungen, kleine Fivolitäten und ein wenig von dem Verruchten, das ungenannt mitschwingt. Alexander Lernet-Holena war wirklich bestens aufgelegt, als er diese Erzählung schrieb.

PS: im Jahr 1934 entstand ein gleichnamiger Film, der auf dieser Erzählung basiert. Nach der Inhaltsangabe des Filmes scheint mir dort jedoch eine ganz andere Geschichte erzählt zu werden – die Gemeinsamkeiten mit dem Buch sind nur der Leunant Keller und seine amourösen Abentuer.



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