Arthur Schnitzler: Später Ruhm

verfasst am 08.07.2014 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Erzählung, Schnitzler, Arthur

Die Literatenrunden in den Wiener Kaffeehäusern. Ende des 19./Beginn des 20. Jahrhunderts eine Institution. Arthur Schnitzer schrieb im Jahr 1894 eine Novelle, die einen ironischen Blick auf deren Protagonisten wirft.  120 Jahre, bis ins Jahr 2014 dauerte es, bis dieses kleine, wunderbare Stück Literatur endlich veröffentlicht wurde.

Worum es geht: Eduard Saxberger schrieb einst, als junger Mann, Gedichte, die sogar in einem kleinen Bändchen veröffentlicht wurden. Der Erfolg blieb ihm damit, ebenso wie mit seinen anderen literarischen Werken, versagt und so versank dieses Büchlein in Vergessenheit: beim Publikum und auch bei ihm selbst.

Nun ist er ein älterer Herr, der sein Leben in einer geruhsamer Position als Beamter recht ordentlich und zur eigenen Zufriedenheit genießt. Als eines Tages ein junger Mann in Saxbauers Wohnung erscheint, scheinen die alte Zeit, seine Jugend, seine Kreativität plötzlich wieder gegenwärtig zu werden. Denn der junge Mann erweist sich als glühender Verehrer des Dichters Saxbauer, schildert, wie er und seine Freunde im Literatenkreis des Meister bewunderten.

Saxbauer fühlt sichn geschmeichelt und nimmt die Einladung gerne an, Gast des Literaturkreis mit dem programmatischen Namen “Begeisterung” zu sein. Die Bewunderung, die man ihm dort entgegenbringt, regt in Saxberger wieder seine Dichterseele an. Gerne würde er für den geplanten Leseabend ein neues Stück schreiben. Im Lichte dieser Begeisterung, die ihm die jungen Leute entgegen bringen, beginnt Saxbauer bald, mit zunächst leiser Verachtung auf alle anderen zu blicken, die eben nicht, so wie er selbst, Künstler sind. 

Jedoch: ihm selbst gelingt es nicht, eine neues Stück für den Lesearbeit zu schreiben. Zwar fällt ihm recht schnell der Titel seines neuen Werkes ein, es fehlen ihm aber, das muß er bald erkennen, Antrieb, Emotion und Kreativität um zu Schreiben.

Als der Leseabend dann auch kaum Wirkung in der Presse zeigt und die Mitglieder des Literaturkreises nichts von der erhofften, nein: der erwarteten Begeisterung für ihr Werk erfahren verschwindet auch bei Saxbauer rasch der kurze, mehr ersehnte als vorhandene Ruhm und er findet sich in seinem Beamtenleben wieder.

Wunderbar zu lesen, wie sich da eine Runde junger Menschen, Künstler, wie sich sich selbst bezeichnen, mehr und mehr an der eigenen Größe ergötzt, ohne diese Größe jemals zu erreichen. Ungeachtet des mangelnden Erfolges sind alle anderen in ihren Augen die Dummköpfe und die Nichtskönner und werden mit abfälligen Namen bedacht.

Es ist beinahe eine Parodie, die Arthur Schnitzler auf die unterschiedlichen Typen schrieb, auf die man im Literaturbetrieb und vor allem rundherum treffen kann. In Saxberger, dem Mann, der Dichter werden wollte, am Ende aber als Beamter sein Leben verbrachte, mag sich auch Schnitzlers Angst verbergen (er war 32 Jahre alt, als er im Jahr 1894 die erste Fassung dieser Novelle schrieb), als Künstler zu scheitern.

Großartig.


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